Vorwort

01. April 2016. Es ist mein bedeutsamer Tag. Vor etwas 10 Jahren las ich zum ersten Mal vom Jakobsweg. Ich kann nicht mehr sagen, wie es dazu kam. Vermutlich war ich eine von den vielen Menschen, die sich durch Hape Kerkelings Buch „Ich bin dann mal weg“ inspiriert gefühlt haben.

Die Idee des Pilgerns faszinierte mich. Das war schon alleine deshalb ungewöhnlich, weil ich bisher nie ein großer Freund des Wanderns war. Aber diese Sache – der Jakobsweg – ist mehr als eine Strecke von Punkt A nach Punkt B zu gehen. Es war ein Abenteuer. Es war eine auf dem ersten Blick völlig verrückte Idee. In den nächsten Jahren erweiterte ich mein Wissen über den Jakobsweg. Ich befasste mich mit den geschichtlichen Hintergrund, informierte mich über die verschiedenen Routen, las Reiseberichte und tauschte mich im Internet mit Gleichgesinnten aus.

Es muss etwa 2009 gewesen, als ich für mich beschloss: Das will ich auch machen. In meinem bisherigen Leben gab es nichts dergleichen, was ich so sehr wollte. Ich hatte keine Ahnung, wann ich ihn mir erfüllen könnte. Mein Studium würde in wenigen Wochen beginnen und die nächsten 3 1/2 Jahre verplant. Aber danach? Das konnte ich mir gut vorstellen. Die wichtigste Frage lautete: Wo soll mein Weg beginnen?

Während meiner Studienzeit in Wiesbaden dachte ich über einen passenden Startpunkt nach. Es gibt ein Sprichwort: „Der Jakobsweg beginnt vor der eigenen Haustür“. Das würde bedeuten, 15 Kilometer vor den Toren Leipzigs zu beginnen. Der ökumenische Pilgerweg von Görlitz bis nach Vacha verläuft durch meinen Heimatort. Schließlich fiel meine Wahl fiel auf Trier. Gerne argumentiere ich von der historischen Bedeutung der Stadt für den Jakobsweg. In der dortigen Abteikirche sollen die Gebeine des Apostels Matthias aufbewahrt werden. Trier war die letzte große Stadt, die sich im Einzugsgebietes meines Semestertickets befand, sodass ich sie ohne Zuzahlung erreichen konnte. Diese Tatsache fand ebenfalls Berücksichtigung in der Planung.

Während des Studiums versuchte ich mir durch einem sparsamen Lebensstil und einem Nebenjob ein finanzielles Polster aufzubauen. Das Hauptaugenmerk legte ich nun auf die richtige Wahl der Ausrüstung. Es wurde recherchiert, verglichen, Produkttests gelesen, weiter recherchiert, noch mehr verglichen und am Ende hatte ich alle nötigen Sachen beisammen. Ich kaufte ein Ticket für den 01. März 2013. Doch es sollte alles anders kommen.

Facebookeintrag vom 16. Februar 2013

“Die Reise beginnt…oder auch nicht.

Es ist unfassbar. Das kann sich keiner Vorstellen. Der Weg fällt für mich vorerst aus. Die ganze Planung und Organisation des vergangenen Jahres, die Ausrüstungsbeschaffung und das Arbeiten neben dem Studium nur für das eine Ereignis, von dem ich zwei Wochen vor Beginn erfahren muss, dass es ins Wasser fällt. Und das alles nur, weil es Probleme mit der Wohnung gibt.

Aber das soll jetzt nicht die Thematik sein. Eher das Loch in das man fällt, wenn man 17 Tage vor der Abreise einen Schlag in die Fresse bekommt und alle Planungen für das nächste halbe Jahr von einem Moment auf den anderen ins Wasser fallen. Es wurden bereits alle Regelungen getroffen. Ich war quasi bereits abmarschbereit. Und jetzt muss ich mein Leben vorerst so weiterleben als hätte ich nie etwas anderes geplant.

Die ganzen Vorstellungen und Pläne fallen wie ein Kartenhaus zusammen. Ich habe mich schon auf dem Weg gesehen, wie ich die Pfade durch Frankreich laufe. Der ersten Teil recht einsam bis nach Le Puy und von dort an vielleicht mit ein paar Gefährten mehr zu den Pyrenäen, bevor es auf dem Camino Frances bis nach Santiago geht. Die ganze Strecke liegt ausdruck- und laminierbereit auf meinem Laptop. ich habe bereits die Bilder vor meinem inneren Auge gesehen, die ich so oft in Büchern und in Internetblogs gefunden habe. Wie ich in den Pyrenäen über den Wolken stehe, in Unterkünften anderen Pilgern begegne, durch das grüne Galizien laufe und Fotos mache und sage“ Jetzt bin auch ich hier gewesen“. Ich wäre gerne da gewesen.

Ein mentaler Tiefschlag der unangenehmsten Sorte. Eine unglückliche Verkettung von Ereignissen ließen meinen Traum zerplatzen. Ich brauchte ein paar Wochen, um mich davon zu erholen. Doch Rückschläge sind nicht dafür da, um aufzugeben. Sie zeigen einem nur, wir sehr man etwas wirklich will. Rückblickend kann ich sogar die Erkenntnis daraus gewinnen, dass es so sein musste. Ich glaubte, gut vorbereitet gewesen zu sein. Doch das stimmte nicht. Drei Jahre später bin ich es.

Hinterlasse einen Kommentar