05:00 Uhr wache ich zum ersten Mal auf. Das trommelnde Geräusch des Regens auf das Blechdach lässt nichts Gutes für den heutigen Tag erahnen. Für zwei weitere Stunden ziehe ich mir die Decke über den Kopf, ehe das Unvermeidliche getan werden muss: Aufstehen. In den Morgenstunden fühle ich mich spürbar kraft- und motivationslos. Mit dem Gepäck auf dem Rücken und einem Baguette in der Hand beginne ich den Weg nach Metz. Nach einer halben Stunde bemerke ich, das das Taschenmesser in meiner rechten Hosentasche rechten Beintasche fehlt. Ich muss es in der Gite vergessen haben. Zu allem Übel löst sich schon nach den ersten Kilometern der über Nacht gebildete Wundschorf an den Oberschenkeln. Ich bin mir unsicher, ob ich zurücklaufen oder ohne Taschenmesser weitergehen soll. Das Taschenmesser wird für die Zukunft noch gut zu gebrauchen sein.. Ich kehre auf der Stelle um, strecke den Daumen in die Luft und hoffe so, dass ein Auto hält, damit ich die zwei Kilometer nicht laufen muss. Tatsächlich bleibt eine Autofahrerin nach 5 Minuten neben mir stehen und lässt mich einsteigen.
Das Taschenmesser liegt auf dem Nachttisch neben dem Bett. Im Bad verbinde ich meine Oberschenkel mit Pflaster und Mullbinden. Die eingebüßte Zeit wird wettgemacht, in dem mich Dame aus der Gite mit dem Auto wieder zu meiner Ausgangsstelle fährt . Die heutigen 18 Kilometer sind ein kurzer Wandertag. Auf dem Weg zur Touristeninformation komme ich an der Jugendherberge vorbei. Obwohl es noch sehr früh ist, ist das Zimmer schon bezugsfertig. Ein Zimmer mit drei Betten für mich alleine. Das ist zu Zeiten der Osterferien überraschend. Die Waschmaschinen im Keller nutze ich für einen längst fälligen Waschgang. Die saubere und nach Waschmittel duftende Kleidung macht mich glücklicher, als ich vermutet hätte.

Die Stadtbesichtigung wird mit dem Einkauf für das Abendbrot verbunden. Die nächsten Postkarten sind auch auf den Weg nach Hause. Und da ist noch die Schlafplatzsuche für Morgen. Ich möchte einen Tag in Metz bleiben, aber sämtliche Herbergen sind ausgebucht. Im Internet finde ich ein günstiges Hotel ganz in Bahnhofsnähe. Etwas dekadent, wenn ich bedenke, dass ich ein Zelt mit mir herumtrage. Soviel Luxus ist nicht gut und macht bequem.

Der zweite Tag in Metz beginnt mit einem Frühstück in der Jugendherberge, das ich beinahe verpasst hätte. Der Wecker bekam mich nicht wach und erst zehn Minuten vor dem Ende komme ich in die Cafeteria. Das spärliche Angebot erinnert an die früheren Klassenfahrten und Übernachtungen in Jugendherbergen.
Obwohl ich eine halbe Stunde vor dem Check-In im Hotel ankomme, ist das Zimmer bezugsfertig. Ich stehe in einem tollen Hotelzimmer. Aber es fühlt sich etwas merkwürdig an. In meinem Rucksack liegt eine vollständige Ausrüstung zum Campen und ich steige in einem Hotel ab. Auf dem Fernseher ist ZDF empfangbar. Heute Abend wird das Champions-League-Spiel zwischen dem VfL Wolfsburg und Real Madrid übertragen. Die Nachmittagsstunden werden für eine ausgiebige Sight-Seeing-Tour genutzt. Die prachtvolle Kathedrale Saint-Étienne ist dabei nur eine der vielen Highlights der Stadt. Die Innenstadt mit den zahlreichen engen Gassen mit den Patisserien und anderen kleinen Geschäften im Stadtkern von Metz laden zum Schaufensterbummel ein.

Ein großer und knallroter Aufsteller mit der Aufschrift „Metz est wunderbar“ informiert über die deutsch-französiche Woche vom 01.04.16 bis 08.04.16. In Kürze empfängt Metz den deutsch-französischen Ministerrat. Dabei handelt es sich um eine halbjährliche Zusammenkunft des deutschen Bundeskabinetts und dem französichen Kabinett.

In der Apotheke besorge ich mir Bepanthen und Pflaster für die zwei kleinen Zehen, die sich etwas an der Schuhinnenseite wundreiben. Es ist nichts dramatisches. Die Zehen sind anatomisch einfach nur ein bisschen dick und drücken gegen den Schuh. Leider finde ich keine geeignete Unterhose, die die Oberschenkel gegen das ständige Scheuern schützen.
Im Hotelzimmer mache ich es mir mit einer Tüte Chips und einer Tafel Schokolade auf dem Bett gemütlich und verfolge das Fussballspiel. Der Fernseher wird 23:20 Uhr ausgeschaltet. Es ist höchste Zeit zu schlafen.