Tag 11: Domremy-la-Pucelle – Rouvres-la-Chetive

Nach dem Aufstehen richtet sich der erste Blick auf meine Arme . Die Nacht war gut und auch der Sonnenbrand nicht so verheerend wie anfänglich befürchtet. Das Frühstück wird auf das Zimmer serviert. Ich frage nach einer Creme für die gerötete Haut und bekomme eine Tube Biafine geschenkt. Die Creme hat eine feuchtigkeitsspendende Wirkung und soll den Heilungsprozess der Haut beschleunigen. In den Hausapotheken der Franzosen und Schweizer ist sie weit verbreitet. Großzügig trage ich die Creme auf die betroffenen Stellen auf.

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Modische Extravaganz

Die sommerlichen Temperaturen setzen sich auch heute fort. Der Geschenkladen „La Boutique de Jeanne“ hat seinen Platz am Ende des Dorfes und bietet allerlei Sachen zum Verkauf an: Porzellanteller, Postkarten, Schlüsselanhänger, Regenschirme, T-Shirts, Magnetbilder, geschnitzte Holzfiguren und im hinteren Teil des Ladens noch vieles mehr. Mützen gehören nicht zum Sortiment. Es dauert nicht lange, bis die Sonne auf der Stirn und den strapazierten Armen brennt. Notdürftig lege ich mein kleines blaues Reisehandtuch über den Kopf und verknote es im Nacken. Die Jacke schützt zwar vor der Sonne, jedoch komme ich darunter ordentlich ins Schwitzen.

Die Rue de la Basilique führt mich aus dem Ort heraus und zu jener Sehenswürdigkeit, die der Straßenname ankündigt: Die Basilika Sainte-Jeanne d´Arc. Hier soll Jeanne d’Arc die Stimmen zum Auftrag für die Rettung Frankreichs und für die Befreiung der Franzosen von den Engländern erhalten haben. Die Basilika ist sehr eindrucksvoll und imposant. Mit der Gemäldereihe über das Leben von Jeanne d’Arc und mit den Skulpturen, welche die Kirche und den Kirchplatz schmücken, gleicht die Basilika einem Bilderbuch, das die Geschichte von Jeanne d’Arc erzählt. Auf dem Gelände befindet sich ein weiteres Gebäude mit mehreren Betten im Innenraum. Vermutlich ist das die Unterkunft, in der Pilger aufgenommen werden. Gestern hatte ich davon gehört, aber leider schon mein Zimmer in Domremy-la-Pucelle reserviert. Die verpasste Gelegenheit einer günstigen Unterkunft ist zwar ärgerlich, aber nicht mehr zu ändern.

Mit der Zeit ereilt mich über dem rechten Knöchel ein stechender Schmerz. Noch ist es kein Grund zur Beunruhigung. Wenn ich mich bei jeder Blessur sorgen würde, dann käme ich zu gar nichts anderem mehr. Bisher verging kein Tag, an dem es mal nicht an irgendeiner Stelle am Körper zwickte. Das meiste verflüchtigte sich über kurz oder lang wieder von selber. Nicht so dieses Mal. Mit fortschreitender Dauer verschlimmert sich der Schmerz. Es ist kaum noch möglich mit dem Fuß aufzutreten, ohne das ein Stechen durch mein Sprunggelenk zieht. Aber was ist die Ursache? Ich bin weder umgeknickt, noch habe ich mich gestoßen oder anderweitig verletzt. Bei der nächsten Pause schmiere ich eine ordentliche Portion Voltaren auf den Knöchel. Aber es lindert den Schmerz nicht und ich quäle mich förmlich durch den Tag. Es ist halb sechs abends als ich in Rouvres-la-Chetive das kleine Hotel betrete und von einer Dame hinter der Bar begrüßt werde. Lächelnd versichert sie mir, dass das Zimmer in 10 Minuten bezugsfertig sei. In der Zwischenzeit versorgt sie mich mit Keksen und einem Glas Wasser. Ein Restaurant ist dem Hotel anhängig und öffnet um 19:30 Uhr.

Auf die Minute genau stehe ich mit knurrenden Magen vor dem Eingang des Restaurants. Die Dame, die bei meiner Ankunft das Zimmer reinigte, begleitet mich an einen Tisch. Abgesehen von den zwei Frauen habe ich bisher kein weiteres Personal gesehen. Die gesamte Pension scheint ein Zwei-Frauen-Betrieb zu sein. So sitze ich nun als einziger Gast in diesem Restaurant mit dem vergilbten Charme der 80er-Jahre und warte auf die Speisekarte. Aber die scheint es für mich nicht zu geben. Stattdessen wird ein Salat aus der Küche gebracht und auf meinen Tisch gestellt. Ich frage nach dem Preis für dieses mäßig schmeckenden Salat. 12 Euro! Eine erschreckende Antwort. Ich hoffe, der Salat ist nur die Vorspeise und es wir noch etwas Sättigendes geboten. Doch auch die Hauptspeise knüpft geschmacklich an den mäßigen Salat an. Ein zähes und sehniges Steak mit Bratkartoffeln. Die Frauen verstehen kein Englisch und zu meinem Bedauern fehlen mir die Worte, um meinen Unmut zu äußern. Zumindest hätte ich gerne erfahren, was serviert wird oder ob es eine Auswahl gegeben hätte. Alles in allem war es für mich eine recht skurrile Situation. Nachdem ich mit dem Essen fertig bin – den Nachtisch lehne ich dankend ab – gehe ich zurück auf mein Zimmer. Heute war kein guter Tag.

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