Tag 18: Tarsul – Dijon

Zelt, Isomatte und Schlafsack sind das am wenigsten benutztes Zubehör in meinem Rucksack. Das Zelt wurde in den ersten 2 1/2 Wochen nur einmal aufgestellt. Heute folgt das zweite Mal, wenn ich es auf dem Campingplatz in Dijon aufschlage. Petra rät mir, im Vorfeld beim Campingplatz anzurufen, um Gewissheit zu bekommen, ob er zu dieser Jahreszeit schon geöffnet hat. Das erledigt Petras Ehemann, der während des Telefonats den Daumen hebt, als Zeichen, dass er eine positive Rückmeldung vom Betreiber bekommen hat.

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Die Landschaft ist immer einen Blick wert.

Es vergeht eine halbe Stunde, ehe ich merke, dass mein Wanderstab fehlt. Ich habe diesen Stock zwar ins Herz geschlossen, aber für eine Umkehr nach Tarsul ist mir die Strecke zu lang. Ich melde mich telefonisch in Tarsul und er wird mir mit dem Auto gebracht. Mein Glück sollte ich nicht zu arg strapazieren. Bei einem kurvenreichen Anstieg zwischen Vernot und Saussy fließt mir im Waldgebiet der Schweiß über das Gesicht. Auf der Hochebene wird die Anstrengung mit einem tollen Blick auf das Waldgebiet belohnt.

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Hochebene zwischen Vernot und Saussy.

16:15 Uhr stehe ich am Empfang Die Steckdosen auf dem Campingplatz seien nicht mit den gewöhnlichen Haushaltsstecker kompatibel und könnten somit nicht genutzt werden. Irgendwas mit CEE-Anschlüsse und 3-Polig. Hätte ich in meinem Leben schon mal ein paar Tage auf einem Campingplatz verbracht, dann wäre ich von dem Umstand sicher nicht überrascht worden. Auf dem beinahe leeren Zeltplatz wird mir eine Stelle unmittelbar in der Nähe des Einganges zugewiesen. Außer mir haben nur ein paar vereinzelte Campingwagen den Weg auf die Stellplätze gefunden. Außer einem weiteren Zelt neben mir, ist der Campingplatz fast menschenleer.

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Das Bautzen Frankreichs: Dijon

Die Suche nach der Touristeninformation erweist sich als wahre Geduldsprobe. Erst folgt ein Wegweiser nach dem Anderen, danach laufe ich an einer missverständlichen Beschilderung vorbei, gehe in die verkehrte Richtung und besichtige unfreiwillige die halbe Stadt. Als ich vor einem Eingang mit dem Schriftzug „Office de Tourisme“ stehe, ist die Tür verschlossen. Ein Zettel an der Tür informiert darüber, dass das Tourismusbüro umgezogen ist. Nach einer weiteren Stunde finde ich die Adresse. Ich lege meinen Pilgerpass zum Abstempeln auf den Tresen. Die Dame meint, in der Kathedrale gäbe es einen viel schöneren Stempel und sie sei nur zehn Gehminuten entfernt. Die offiziellen, oft schmucklos gestalteten Stadtstempel mag ich ohnehin nicht besonders, bedanke mich für den Tipp und suche die Kathedrale.

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Kathedrale von Dijon. Mittelschiff zum Chor

In einem Nebenraum der Kathedrale wird eine kleine Messe gehalten. Ich warte bis zum Ende und lade unterdessen mein Handy an einer Steckdose. Ganz wohl fühle ich mich nicht dabei, ein Gotteshaus als Ladestation in Anspruch zu nehmen. Doch der Akkustand ist kritisch gering und ich brauche die Navigation, um ohne weitere Irrwege wieder zum Campingplatz zu finden. Nach der Messe wende ich mich an den Priester. Einen Stempel hat er für mich nicht. Ich soll „morgen um neun Uhr auf der linken Seite“ fragen und er deutet dabei Richtung Ausgang. Mehr Inhalt verstehe ich aus seiner Aussage nicht, sodass ich nicht genau weiß, was er meint. Ich glaube, das Wort „Sekretariat“ verstanden zu haben. Ich laufe zwei Runden um die Kathedrale, aber ich finde keinen Hinweis auf einen Verwaltungsraum. Zwei Stunden war ich ohne Erfolg in der Stadt unterwegs, als ich 19 Uhr wieder am Campingplatz ankomme. Die Temperaturen sinken am Abend schnell in den einstelligen Bereich und ich mache es mir im Zelt gemütlich.

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