In einem eigens dafür vorgesehenen Briefumschlag stecke ich den „freiwilligen Unkostenbeitrag“ für die Übernachtung und lege es auf den kleinen Holztisch im Bungalow. Aber was für ein Betrag ist angemessen? Ich glaube, viele Pilger tendieren dazu, weniger Geld zu geben, als angebracht wäre. Wenn ich von Vorfällen lese, in denen ganz davon abgesehen wurde, macht mich das wütend. Sollte dieses Denken Überhand gewinnen, dann darf sich nicht gewundert werden, wenn solche Angebote eines Tages nicht mehr zur Verfügung stehen. Der Weg lebt auch von diesen netten Menschen, die ihren privaten Besitz zur Übernachtung bereitstellen. Im Supermarkt besorge ich mir zwei neue Shirts. Sie sind bei weitem nicht so funktional wie mein T-Shirt aus Merinowolle, aber dafür preisgünstig in der Anschaffung. In Beaune werde ich mir wieder ein Hotelzimmer nehmen müssen. Günstige Unterkünfte sind nach wie vor Mangelware. Ich hoffe sehr, bald in Gegenden zu kommen, in denen das Übernachten finanziell erschwinglicher wird. Die 21 Kilometer nach Beaune kommen mir wie ein gemütlicher Spaziergang vor. Die Stadt ist 22.000 Einwohnern eine der Bevölkerungsreichsten im Burgund und bestimmt eine Besichtigung wert. Die Sonne scheint auch an diesem Tag kräftig auf meinen Kopf und der fehlende Sonnenschutz macht sich ein ums andere Mal bemerkbar. Eine Mütze steht ganz oben auf meiner Einkaufsliste.
Das Landschaftsbild ist zu gestern unverändert. Der Streckenverlauf führt ausnahmslos zwischen den Weinhängen hindurch, auf denen die Winzer hart arbeiteten. Als Laie erkenne ich, wie Leinen gespannt werden. Vermutlich sollen sie ein Gerüst bieten, an denen die Rebstöcke wachsen können. An anderen Stellen wird der Boden gepflügt oder mit Rebstöcken hantiert. Das Anbauen und das Arbeiten auf dem Feld stelle ich mir körperlich höchst anstrengend vor. Ich möchte nach meiner Rückkehr nach Deutschland einen Wein aus der Region kaufen und ihn wertschätzend genießen. Im Internet sind Weinflaschen zum Kauf aus der Anlage Richebourg Grand Gru zu sehen. Der Jahrgang 2015 wird mit ca. 1000€ pro Flasche gehandelt. So schnell wie die Idee gekommen war, verschwindet sie auch wieder.


Auf den ebenen und asphaltierten Wirtschaftswegen komme ich zwischen den Weinfeldern zügig voran. In Beaune dauert es weitere 40 Minuten, ehe ich vor dem Hoteleingang stand. Die Tür ist verschlossen. Einen Empfang gibt es nicht. Mit Hilfe der Gegensprechanlage nehme ich Kontakt mit der Rezeption auf. Sie befindet sich im gegenüberliegenden Gebäudekomplex. Meine Reservierungsnummer tippe ich auf dem Touchscreen neben der Sprechanlage ein. Danach wird eine PIN zum Öffnen der Tür angezeigt. Eine Bezahlung der Rechnug ist nur mit Kreditkarte möglich. Die Möglichkeit einer Barzahlung scheint es nicht zu geben. Zum Glück bin ich mit einer VISA unterwegs. Im Zimmer strecke ich auf dem Doppelbett alle vier Glieder von mir und schalte durch das französische Unterhaltungsprogramm – und Pro 7 Schweiz. Obwohl ich es nicht vermisst habe, bedeutet es doch ein Stück Heimatgefühl. Frisch hergerichtet erlebe ich in der Stadt noch ein paar sonnige Nachmittagsstunden.

Beaune ist ein idyllischer Platz, der eine angenheme Ruhe und Lebensfröhlichkeit ausstrahlt. Die zahlreichen kleinen Cafés auf der Promenade laden zu einem Plausch bei Kaffee und Kuchen ein. Weil es alleine aber nur halb so schön wäre, widerstehe ich den Verlockungen und warte auf den Tag, an dem ich nicht alleine in einem Café sitzen muss.

In der Innenstadt bietet keines der Geschäfte Mützen an, aber ganz in der Nähe des Hotels gibt es einen Supermarkt – Carréfour genannt – der Basecaps im Sortiment listet. Carrefour ist ein sogenannter Hypermarkt, der neben Lebensmitteln auch eine große Auswahl an Nonfood-Artikeln hat, ähnlich wie Real oder Kaufland. Neben der Mütze liegen das obligatorische Baguette, der Camembert und die Salami für Abendbrot und Frühstück im Einkaufskorb. Den Rest des Abends entspanne ich auf dem Bett im Zimmer.
Wenn ich es richtig sehe, dann liefen wir ab Vosne-Romanée und Nuits-St.-Georges dieselbe Strecke. Dijon hätte mich noch interessiert, aber ich war auch mit meinem Weg ab Basel ganz zufrieden. In Vosne-Romanée habe ich den Fehler gemacht, in ein Restaurant einzukehren. Danach war das Laufen vorerst mühsam, weil sie nur schwere Kost hatten. Aber die Strecke mit den Weinbergen 🍷 und kleinen Schlössern 🏰 gefiel mir gut. Liebe Grüße, Dario
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