Von zu Hause erfahre ich, dass das Paket mit dem Zelt zu Hause angekommen ist. Bisher sah ich keinen Grund, den Rückversand zu bereuen. Auf dem Campingplatz in Chagny stehen Bungalows zur Verfügung. Im Internet werden sie bei der Reservierung als „Chalet“ bezeichnet. Einen Unterschied zwischen Chalet Bungalow ist für mich nicht auszumachen. Nach der Buchung wird mir eine Bestätigungsmail gesendet. in dieser wird eine Kaution in Höhe von 150€ angegeben, die auf der Internetseite nicht erwähnt wurde. Bei einem Anruf auf dem Campingplatz kann schnell geklärt werden, dass – statt einer Kaution – auch der Personalausweis hinterlegt werden kann.

Es ist der dritte Tag in den Weinbergen. Ohne nennenswerten Steigungen passiere ich ein Weingut nach dem Anderen und benötige für 25 Kilometer weniger als 5 Stunden. Nach 3 Wochen hat sich mein Körper auf die tägliche Belastung eingestellt und die Tagesetappen werden zunehmend leichter bewältigt. Ich erinnere mich an meinen ersten Tag, als ich nach 23 Kilometern sprichwörtlich ins Bett kroch und jeder einzelne Muskel des Körpers brannte.
Gegen 14 Uhr erreiche ich den Campingplatz. Nach einer weiteren Stunde öffnet die Rezeption und ich bekomme den Schlüssel des Chalets ausgehändigt. Um die Wartezeit zu verkürzen informiere ich mich im Internet über die Begrifflichkeit. Das Wort „Chalet“ hat seinen Ursprung in der französischsprachigen Schweiz und bedeutete ursprünglich Sennhütte. Dem lateinischen Sprachgebrauch folgend, war ein Chalet ein „geschützter Ort“, wie Unterstände für Viehzüchter. Der heutige Sprachgebrauch bezieht auch Ferienhäuser und -wohnungen mit ein. Mein Chalet bietet einen Schlafplatz für 5 Personen und ist auf dem Campingplatz die kleinste aller möglichen Ausführungen. Mir stehen zwei Schlafräume, eine Sitzecke mit Tisch, eine kleine Küchenzeile und eine große Terrasse zu Verfügung. Für das Abendbrot gehe ich in den Supermarkt, als ich an der Rezeption deutsche Stimmen höre. An einem Tisch sitzen zwei junge Männer aus Deutschland. Sie trampen quer durch Europa und verbringen ein paar Tage auf dem Jakobsweg. Ihr auserkorenes Ziel ist Barcelona. Ich lade beide für den Abend auf meine Terrasse ein.

Abends klopfen die beiden Jungs mit Snacks und ein paar Bier an der Tür und bei noch immer sommerlichen Temperaturen verbringen wird den Abend auf der Terrasse. Ich serviere für alle Spagetti Bolognese. Beide freuen sich sehr über mein Smartphone und nutzen die Chance, um ein paar Musikwünsche zu hören. Dank WiFi und Youtube ist das kein Problem. Alfi kramt drei Stäbe aus seinem Rucksack hervor und beginnt mit Ihnen einen dritten Stab in der Luft zu jonglieren, indem er geschlagen, gedreht und hochgeworfen wird. Die Enden der sogenannten „Devil Sticks“ taucht Alfi in Petroleum, zündete sie an und beginnt mit den brennenden Stäben zu jonglieren. Es ist beeindruckend. Auf ihrer Tour durch Europa treten beide als Straßenkünstler auf, um sich etwas Geld zu verdienen.
