Tag 23: St. Desert – Saint-Gengoux-le-National

Als sich das große Eisentor hinter mir schließt, zieht sich der Himmel zu und innerhalb kurzer Zeit befnde ich mich inmitten eines Regenschauers. Auch bei dieser zweiten Bewährungsprobe versagt die Regenhose komplett, erfüllt in keinster Weise Ihren Zweck und landet unweigerlichen in den nächstgelegenen Mülleimer. Ich schleppe keine Sachen mit mir herum, die Ihren Zweck nicht erfüllen.

14:30 Uhr – 1 1/2 Stunden vor meiner Ankündigung in der Pension – komme ich in Saint-Gengoux-le-National an. Es öffnet mir noch niemand die Tür. In der Touristeninfo hole ich mir den Pilgerstempel ab, stelle meinen Rucksack in die Ecke und erkunde den Ort. Mein Magen wurde heute noch nicht mit Essen gefüllt und den Abend wollte ich nicht auch noch hungrig verbringen. Als Sofortmaßnahme gegen das Magenknurren gab es zwei Sandwichs und für den Abend eine Dose Cassoulet. Ein paar Süßigkeiten durften natürlich auch nicht fehlen. Wieder in der Touristeninfo angekommen, wird für mich für Morgen bei einer Familie in St. Cecile ein Zimmer reserviert. Ich hätte gerne ein paar Kilometer eher in Cluny übernachtet. Aber ein Herbergszimmer für 31€ wollte ich mir nicht leisten. Schon gar nicht, wenn ich gegen eine kleine Spende bei einer Familie schlafen kann.

Nun war es Zeit, zur Pension zu gehen. Ich treffe die nette Pensionsdame an und sie zeigt mir das Zimmer, welches mühelos Platz für zwei weitere Leute geboten hätte. Die Räumlichkeit ist wieder einmal viel zu groß für mich. Auf dem weichen Bett liegend fühle ich mich sehr wohl und bemerke ein Stimmungshoch. Wenngleich es bisher auch mal schwierigere Tage gab und nicht alles optimal lief, so wird mir wieder klar, dass ich im Moment meinen großen Traum lebe. Ich fühle mich einfach gut und bin stolz darauf, die letzten drei Wochen so gut gemeistert zu haben. Entgegen vieler Erwartungen und Meinungen lag ich weder nach drei Tagen wieder auf der heimischen Couch, noch irrte ich orientierungslos durch die Gegend. Ich blieb von Krankheiten verschont, Blasen an den Füßen sind nach wie vor ein Fremdwort, ich liege absolut im Zeitrahmen, mit der Ausrüstung bin ich (abgesehen von der Regenhose) zufrieden und…ich lebe noch.

Fazit: Bis jetzt schlage ich mich ganz gut. Darauf gönne ich mir ein Doppelkeks.

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