Tag 30: St.-Jean-St.-Maurice – Pommiers-en-Forez

Eine halbe Stunde nach Heike und Monika verlasse ich mit St.-Jean-St.-Maurice einen der bisher schönsten Orte, die ich gesehen habe. Ein malerisches Dorf an der Loire mit idyllischer Atmosphäre. Der Verein „Les Ami de St.-Jean-St.-Maurice-sur-Loire“ gibt auf seiner Internetseite (https://www.les-amis-42155.com/) einen wunderbaren Einblick und interessante Informationen über das Dorf. Neben der französischen Sprache ist die Internetseite auch komplett in Deutsch verfügbar. Ein letzter Blick vom Ufer auf die Loire und ich kehre der Gemeinde den Rücken zu. Ein schmal gezogener, asphaltierter Weg durch die Landschaft führt mich innerhalb einer Stunde in den nächsten Ort. Es ist nahezu unmöglich, einen falschen Weg einzuschlagen. Bei der einzigen zu passierenden Weggabelung hängt ein rot-weißes, handgemaltes und nicht zu übersehendes Schild „PROPRIÉTÉ PRIVEE DEFENSE D’ENTRER. Frei übersetzt bedeutet es wahrscheinlich so etwas wie „Wehe, du gehst hier entlang“. Trotz der vergleichbar kurzen Etappe mit 20 Kilometern, erschweren Wind und regnerisches Wetter ab dem späten Vormittag das Vorankommen.

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Den Entfernungsangaben kann man nicht auf den Kilometer genau trauen.

In Pommiers-en-Forez gibt es einen Campingplatz mit Wohnwägen. Bei starken Regenmuss ich bis zum Ortsausgang zu laufen. Am Eingang des Plastzes steht eine kleine Bar. Als durchnässter und frierender Pilger erhalte ich von der Besitzerin einen Tee auf Kosten des Hauses. Erst vor kurzen übernahm sie mit ihrem Mann die Bar. Ich sage ihr, dass sie mich heute Abend zum Abendessen wieder zu sehen wird. Beim Anziehen der Jacke, bemerke ich, wie sehr die Nässe tatsächlich durchgedrungen ist.

Die Herberge in der Altstadt ziehe ich einer Übernachtung im Wohnwagen vor. Nach einem Anruf kommt die Pilgermutter zur Unterkunft und öffnet die Tür. Es folgt das WIedersehen mit Heike und Monika. In Montbrison reserviere ich mir für Morgen ein Zimmer bei einer Familie. Zwar würde mich die Erfahrung des Nonnenklosters freizen und könnte eines der 10 Betten in Anspruch nehmen, aber im Buch wird darauf hingewiesen, dass sie ausschließlich Pilger mit spiritueller Motivation zur Verfügung stehen. Ich bin mir nicht sicher, ob ich diesen Anspruch genüge und deshalb vielleicht in die Bredouille komme.

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Abends begleiten mich die Heike und Monika in die Bar und ich bestelle mein erstes offizielles Pilgermenü: Salat, Steak, Pommes und Dessert. Ich mache Bekanntschaft mit John. Er ist – wie die Inhaber Meg und Dave – ein über alle Maßen sympathischer Londoner, der bei den beiden für ein paar Tage zu Besuch ist. Während Heike und Monika ihre Zeit in der Bar nicht viel länger als für das Abendbrot verbringen, bleibe ich in der geselligen Runde. Der Abend wird für viele nette Gespräche genutzt und die Kehle bleibt auch nicht trocken. Meg und Dave schreiben mir die Anschrift auf einen kleinen Zettel, damit ich Ihnen eine Karte aus Santiago schicken kann. Das Dorf ist in warmes Laternenlicht getaucht und der abendliche Spaziergang durch die engen Gassen, vorbei an den romanischen Bauten des 11. und 12 Jahrhunderts, besitzt einen ganz besonderen mittelalterlichen Charme. Die knapp 400 Einwohner leben in einem wunderschönen Ort, dessen Ursprung das Benediktinerkloster ist, um welches das kleine Dorf errichtet wurde.

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Friedliches Pommiers-en-Forez

Es sind nur noch 5 Tage bis Le Puy, dem ersten der drei großen Zwischenziele. Ab Le Puy werde ich mich auf der Via Podiensis befinden, die mich bis zu den Pyrenäen nach St- Jean-Pied-de-Port bringt. Für viele Pilger ist Le Puy den Beginn ihres Weges und ich freue mich auf weitere Bekanntschaften.

Ein Kommentar zu „Tag 30: St.-Jean-St.-Maurice – Pommiers-en-Forez

  1. Hallo David, da werden Erinnerungen wach 🙂 Saint-Jean-Saint-Maurice gehört für mich auch zu den Höhepunkten auf meinem bisherigen Weg. Warst du in Pommiers-en-Forez im Klostermuseum? Wahrscheinlich am Tag 31 😉 Ich habe in einem Ort dazwischen übernachtet, zusammen mit einem anderen Pilger, bei einer älteren Dame. Der Tag im Juni war sehr warm und das Laufen angenehm. Liebe Grüße, Dario

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