Am Morgen startet jeder für sich unabhängig in den Tag. Den Anfang macht Maria mit einer anderen Pilgerin. Als nächstes verlässt Molly die Gite. Ich warte auf Cindy, die noch einen Bankautomaten sucht. Innerhalb einer Stunden stoßen wir nach und nach zusammen. Unsere Gruppe komplettiert Jordan. Er war der erste Pilger, den ich in der Unterkunft in Le Puy traf. 10 Kilometer nach Saugues passieren wir den kleinen Weiler „Le Falzet“ und allesamt nehmen im Innenhof einer Gite d’Etape platz. Diese hat nicht nur ein kleines Bistro zu bieten, sondern auch eine hauseigene Käserei, die besichtigt werden kann und einen interessanten Einblick in die Produktion bietet.

Frankreich ist in Departments unterteilt. Diese einzelnen Gebietskörperschaften sind mit den Bundesländern oder Gemeinden, Landkreise oder Bezirke in Deutschland vergleichbar. Heute kommen wir in ein neues von den insgesamt 101 Departments an: Lozere. Für mich ist es nach Moselle, Meurthe-et-Moselle, Meuse, Vogesen, Haute-Marne, Côte-D’Or, Saône-et-Loire, Rhône, Loire und Haute-Loire das elfte Department, welches ich durchlaufe.

Die Auberge du Sauvage en Gevaudan – ein Gutshof aus dem 13. Jahrhundert – liegt abgeschieden inmitten der Natur und mehrere Kilometer vom nächsten Ort entfernt. Ich zahle für eine Übernachtung mit Frühstück ohne Abendbrot, schließe mich später aber den Anderen an und entscheide mich für die Halbpension. Alleine hätte ich es mit Sicherheit nicht an der Rezeption erklären können. Also springt mir Jordan zur Seite, hilft als Dolmetscher aus und die Umbuchung ist kein Problem. Bei dem ganzen Durcheinander verrechnet sich die Frau und ich zahle statt 18€ nur 2€. Sie war schon sichtlich genervt vom verursachten Aufwand und auch ich hatte keine Lust mehr, das Missverständnis nochmal zu korrigieren. Als wir abends im Restaurant sitzen, kommt die Dae aufgeregt an unseren Tisch und erklärt Cindy, dass es beim Bezahlen einen Fehler gab. Selbstverständlich zahle ich den vollen Betrag ohne Aufforderung. Die Gastgeberin dankt mir gestenreich und macht nicht den Anschein, zu wissen, dass ich der Übeltäter bin und hält. Vielleicht denkt sie, ich sei einfach nur nett bin und zahle den Fehlbetrag stellvertretend. In ihrer Dankbarkeit spendiert sie unserer kleinen Runde eine Flasche Wein. Wir tauschen den Wein gerne gegen die Wasserflasche. Cindy witzelt, dass ich aus Wasser Wein machen könne. So ganz unrecht hat sie an diesem Abend nicht.
Die Strecke hat mir auch sehr gut gefallen, im Weiler Le Falzet haben wir auch Pause gemacht, sie haben zu dem Zeitpunkt umfangreiche Bauarbeiten im ganzen Dorf durchgeführt. In Domaine-de-sauvage gab es leider keinen Platz zum Übernachten. Lg
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