Tag 39 Domaine-du-Sauvages – Aumont-Aubrac

DiePilger sollten die Gite 08:30 Uhr verlassen haben. Maria, Cindy und ich verweilem eine halbe Stunde länger im Schlafraum. Für jeden von uns ist es aus jeweils unterschiedlichen Gründen kein gelungener Start in den Tag. Cindy kämpft mit mehreren Blasen und einem allergischen Ausschlag an den Füßen, Maria bekam beim gestrigen Sturm etwas ins Auge und ich bin einfach gestresst, weil das Rucksakpacken nicht gelingen will, meine Knöchelbandage endgültig hinüber ist, meine Wandersocken nun auch an den Fersen löchrig sind und es mir generell gesundheitlich nicht gut geht. Schon in der Nacht fühlte ich ein Unwohlsein im Magen und kam dadurch die ganz so erholt aus der Nacht heraus.

Der Himmel ist bedeckt und bald beginnt der Regenschauer. Cindys Rucksackschutz ist zu klein, um der Isomatte ausreichend Schutz vor der Nässe zu bieten. Somit stecke sie unter meine Plane. Fünf Kilometer nach Chanaleilles stoßen wir auf eine mit großen Fichten gesäumten Wiese und dem Brunnen „La Fontaine Saint Roche“. Dem Brunnenwasser wird eine wohltuende und beruhigende Wirkung – insbesondere bei Knie- und Hautproblemen – nachgesagt. Vielleicht hilft es auch meinem Knöchel und die ramponierte Bandage wird bald nicht mehr benötigt werden. Vom 12. Jahrhundert bis Mitte des 17. Jahrhunderts befand sich an dieser Stelle ein Hospiz, welches Pilger beherbergte. Der Brunnen und die Kapelle verewigen die Erinnerung an das alte Krankenhaus.

Fontaine St. Roch

Den größten Kampf muss indessen Cindy mit ihren Füßen bestreiten. Wir verlegen unsere Pause ein paar Kilomter vor Saint-Alban-sur-Limagnol nach Le Ro, um ihr etwas Erholung zu verschaffen. Wir entdecken eine Gite, die zur Rast einlädt. Ein Schild an der Eingangstür empfängt uns Pilger in französischer, englischer und deutscher Sprache:

„Liebe Pilgerer und Wanderer, guten Tag und herzlich willkommen bei Valérie und Maurice PIC!

Wir stellen Ihnen diese Küche und diesen Speiseraum zur Verfügung, damit Sie sich ein wenig ausruhen und stärken können. Im Kühlschrank waretet eine kleine Auswahl frischer Getränke auf Sie. Auf der Arbeitsplatte der Küche finden Sie Kräutertee und Kaffee. Sie können die Kaffeemaschine und den Wasserkocher benutzen.Für den ersten Hunger stehen auf dem Tisch auch ein paar Keks bereit. BEDIENEN SIE SICH! Für diese Leistung ist ihr Beitrag frei – Bitte geben Sie so viel, wie Sie für richtig erachten.Sie können die Toiletten benutzen, die Sie hinter der inneren Glastür finden. Wir bitten Sie, diese Räumlichkeiten so sauber wie möglich zu haten. DANKE für Ihren Besuch und gute Weiterreise.

LIEBE GRÜSSE!“

Nach diesen warmherzigen Zeilen lassen wir uns am großen Holztisch der voll eingerichteten Küche nieder. Auf der Küchenzeile liegen verschiedene Sorten Schokoriegel, die für den Gegenwert eines Euros zum Kauf stehen. Ich greife nach einem Mars-Riegel und bestreiche ein paar Zwiebacke mit einem dicker Schicht Nutella. Cindy überlegt ihre Tageroute aufgrund ihrer Schmerzen schon im nächsten Ort zu beenden. Doch noch hält sie tapfer mit uns Schritt.

In Saint-Alban-sur-Limagnole treffen wir wieder auf Molly und Jordan, die im passenden Moment aus einer kleinen Bar kommen. Während Jordan noch länger im Ort verweilt, schließt sich Molly uns wieder an. Cindy ist indes nur noch ein Häufchen Elend. Letztendlich schafft sie es nicht die letzten 8 Kilometer bis Aumont-Aubrac und ist gezwungen, schon eher in einer Auberge zu bleiben. Schweren Herzens müssen wir uns verabschieden. Ich sage ihr, dass wir uns auf dem Weg wiedersehen werden. Ich wünsche es mir, doch der Glauben daran fehlt. Es sieht nicht so aus, als könne Cindy den Weg überhaupt weiterlaufen. Seit mehreren Stunden regnet es. Maria und ich wollen schnellstmöglich das Tagesziel erreichen, welches in 2 Stunden erreicht werden kann. Molly läuft etwas langsamer und wir beide mit schnellen Schritten voraus.

In Aumont-Aubrac gehen wir zuerst in den Supermarkt, danach in die Gîte Route d’Aubrac und richten uns im Zimmer ein. Am Abend sitzen wir mit drei französischen Pilgern im Gemeinschaftsraum neben der Küche. Mit Ihnen teilten wir schon unser Zimmer in der letzten Nacht, doch erst heute kommen wir ins Gespräch.

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