In den letzten Tagen gewöhnte ich mir mir an, meine Füße erst vor das Bett zu setzen, wenn sich die meisten Pilger schon kurz vor dem loslaufen befinden. Damit bewahre ich mir die Morgenruhe. In unserem Dreibettzimmer ist Maria wieder einmal die Erste, die das Haus verlässt. Kurz darauf folgt Vincent und halb neun schließe ich die Tür hinter mir. Schon nach wenigen Minuten befinde ich mich wieder inmitten der Natur. Auf der linken Seite erstreckt sich eine Berglandschaft, die in diesen frühen Stunden noch im Nebel eingetaucht ist. Es sieht so aus, als liefe ich über den Wolken. Ein sehr schöner Anblick.

Nachdem ich am Vormittag durch unzählige kleine Orte komme, kehre ich in eine kleine Gaststätte ein. Maria kommt mir aus dieser entgegen und schwärmt vom Omelett. Meine Mittagswahl ist damit schon vor dem Blick in die Speisekarte entschieden. Zusammen mit einem warmen Kakao sitze ich vor der Sonne geschützt unter einen Schirm. Für 2,50€ muss ich mir den Nesquik-Kakao selber in die Milch einrühren.

Einige Kilometer vor Figeac komme ich ungewollt vom GR65 ab. Das passiert meistens dann, wenn der Blick zu sehr auf den (wohl nicht mehr aktuellsten) GPS-Track im Handy liegt, anstatt auf die Zeichen zu achten. Über ein paar Seitenstraßen komme ich ohne großen Zeitverlust wieder auf den Fernwanderweg. Fluch und Segen der Technik. Es ist Pfingstmontag und die Geschäfte haben in Figeac bestimmt geschlossen. Bei einem Bäcker kann ich ein Baguette kaufen. Die letzten 5 Kilometer nach Figeac bringen mich nochmal 160 Meter in die Höhe. Nach dem Schlussspurt bin ich froh, nicht in Figeac geschlafen zu haben. So bleibt mir der Anstieg morgen Früh erspart.

In Vierbettzimmer sehe ich Etienne. Er zeigt mir seine mit Blasen übersäten Füße. Später kommt Maria hinzu. Die Zimmer besitzen die Namen europäischer Großstädte. Wir verbringen die Nacht in Venedig. Ich entscheide mich für das gemeinsame Abendessen und Frühstück. Mein Baguette, der restliche Camembert und ein paar Reiswaffeln sind keine gute Grundlage, um satt zu werden. Mit Philippe, Etienne und zwei anderen Franzosen sitze ich im Garten und gönne mir ein Bier. Zum Abendbrot gibt es Suppe, Bratwurst mit Bohnen und als Dessert einen Birne-Nuss-Kuchen.
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Den übrigen Abend grübel ich einmal mehr über meine Etappenplanung. Ganz gleich, wie meine Überlegungen aussehen: Ich werde Santiago zwei Wochen früher als geplant erreichen. Weil ich den Rückflug vorab zu Hause gebucht habe, werde ich ihn verstreichen lassen müssen und nach einem anderen – möglichst günstigen – Flug schauen.
Hallo David
Ich gehe davon aus das du mich vielleicht nicht mehr kennst. Ich bin Matthias aus Borsdorf und wir sind zusammen in die Grundschule gegangen. Mich interessiert das Thema Jakobsweg schon sehr lange. Ich bin aus zufall auf deinen Blog gestoßen und lese diesen seit fast einer woche wie es passt, mal ein tag oder gleich 5 bis 6 hintereinander. Ich finde es bis hierhin eine ganz sehr starke Leistung von dir. Wenn ich meist abends lese, höre ich im inneren ohr deine stimme als würdest du deine geschichte vorlesen ( soweit ich mich an dine Stimme noch erinner) das läst sich schwer beschreiben aber vielleicht kennst du so ein gefühl. Mit spannung lese ich nun tag um tag , fieber mit und wünschte mir manchmal auch diesen weg gehen zu können.
Ich hoffe, da die einträge schon älter sind, das du diese zeilen liest.
Schöne Grüße aus der Alten Heimat
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