Auf dem Weg nach Condom gibt es eine etwa 7 Kilometer kürzere Wegalternative des GR65. Ich entscheide mich für die Möglichkeit und komme nach 27 Kilometern um 14 Uhr in Condom an. Die Gîte d’étape Le Champ d’Etoiles liegt nur ein paar hundert Meter hinter dem Ortseingang, fernab des dicht bebauten Zentrums mit seinen engen Gassen. Ein Aushang an der Tür „Gîte d’étape Le Champ d’Etoiles“ weist in englischer, fanzösicher und deutscher Sprache darauf hin, dass die Gite zwar erst 14:30 Uhr öffnet, die Rucksäcke aber im hinteren Garten abgestellt werden können und sich sich an den Getränken bedient werden darf. Zwischenzeitlich kommt auch Etienne an. Bei Ann-Christin, der jungen Herbergsmutter erkundige ich mich nach einem Sportgeschäft in der Stadt und lasse mir den Weg erklären. Kurze Zeit später komme ich mit neuen T-Shirts und Wandersocken aus dem Geschäft zurück. Die Unterhosen und Mützen mit Nackenschutz waren zu teuer. Vor einem Café begegne ich einer deutschen Pilgerin. Sie hat gemeinsam mit Maria in Saint-Antoine übernachtet und dadurch schon von mir gehört.
Vor einer bisher unbekannten Herausforderung stellt mich der Kauf einer Briefmarke. Die Verkäuferin verkauft mir eine Briefmarke für 0,95€. Merkwürdig. Es ist nicht die erste Postkarte, die ich nach Hause sende und bisher musste ich immer 1,00€ zahlen. Die Dame hält jedoch voller Überzeugung an ihrer Meinung fest, dass dies die richtige Briefmarke sei. Sicherheitshalber frage ich im nächsten Tabakladen nochmal nach. Dort ist man mit mir einer Meinung. Also nochmal zurück in den Souvenirladen blättert die Verkäuferin in ihrem Briefmarkenkatalog. Als sie die Seite mit dem europäischen Briefmarken aufschlägt, tippe ich mit dem Finger auf die richtige Briefmarke. Nach einer kurzen Rücksprache mit ihrem Kollegen, der zusätzlich etwas Überzeugungsarbeit leistet, tauscht Sie mir die Briefmarke.
Beim Einkaufen im Supermarkt gibt es hingegen nie Probleme. Baguette, Käse, Salami und – falls es für das Abendbrot nicht ausreichen sollte – Würstchen und Hamburgersauce. Die Liste des Grauens eines jeden Ernährungsberaters. In der Gite ist Etienne am Abend das mir einzige bekannte Gesicht. Neben Etienne und den anderen ü55-Damen sitzend, senke ich mit meinen 30 Lebensjahren den heutigen Altersdurchschnitt am Tisch erheblich. Allesamt sehen nicht wie Pilger aus, die ihre Pilgerutensilien mit Bedacht auswählen. Das müssen sie auch nicht. Bei Ihnen kommt wieder ein „Begleitfahrzeug“ zum Einsatz. Die Kleidung ist ebenso wenig als pilgertauglich einzuschätzen, wie die frisch lackierten Fingernägel und kaum ein Finger ist ohne glänzenden Schmuck versehen. Ich habe nach wie vor meine Schwierigkeiten mit der Idee solcher Gruppenreisen.