Ausrüstung

Die Vorbereitung für das Abenteuer „Jakobsweg“ ist so individuell, wie die Personen, die ihn gehen. Und auch bei der Frage „Was nehme ich alles mit?“ kommen die unterschiedlichsten Ansichten und Ratschläge auf. Da gibt es die spontan Entschlossenen, bei denen zwischen Entschluss und auf Aufbruch nur wenige Tage oder Wochen liegen. Schnell die nötigsten Sachen zusammengepackt, vielleicht noch fix eine wärmere Jacke oder neue Schuhe gekauft und los geht´s. Dann gibt es noch die perfektionistischen Planer, die sich über so ziemlich alles rund um die Packliste den Kopf zerbrechen. Zu dieser Sorte gehöre ich.

Die Zusammenstellung meiner Ausrüstung gehörte für mich schon zum Teil des Weges. Es machte mir Spaß, sprichwörtlich Nächtelang nach geeigneter Kleidung und Zubehör zu recherchieren, Sachen zu vergleichen, Tests und Erfahrungsberichte zu lesen, die günstigsten Angebote zu finden usw. Manchmal war es vielleicht zu Viel des Guten. Beispielsweise immer dann, wenn ich penibel die Gewichtsangaben verglichen habe, um möglichst leichtes Gepäck auf meinem Rücken zu tragen. Aber es war meine Methode, um mir die Wartezeit erträglicher zu machen und mich gut vorbereitet zu fühlen. Letztendlich hat es nicht geschadet, denn bis auf wenige Ausnahmen war ich mit meiner Packliste und ausgewählter Ausrüstung zufrieden.

Ganz nach dem Motto „Wer billig kauft, kauft zweimal“, habe ich grundsätzlich sehr auf die Qualität geachtet, die sich oft auch auf den Preis niederschlug. Eine verlässliche Langlebigkeit war mir wichtig, da die Ausrüstung täglich und über mehrere Monate ihren Dienst verrichten sollte. Deshalb sah ich weitestgehend von Läden wie z.B. Declathon. Außerdem fand ich die dortigen Produktbeschreibungen oft sehr dürftig. Nein, Declathon ist per se keine schlechte Anlaufstelle für (Sport)Artikel und für den Alltagsgebrauch und für Hobbysportler absolut ausreichend. Allerdings sprachen mich in den Punkten Produktbeschreibungen und -wertigkeit Shops wie bergfreunde.de oder Globetrotter mehr an.

Insgesamt kam ich auf ein Gewicht von ca. 12 Kilogram, welches sich nach der Verabschiedung von Zelt und Isomatte auf etwa 10 Kilogramm reduzierte.

Aber jetzt geht´s los mit meiner Zusammenstellung!

Ausrüstung

Rücksack Osprey Kestrel 38l

Um den für sich passenden Rucksack zu finden sollte man sich Gedanken machen über die Größe, die Ausstattung und die Rückenlänge. Mein Osprey Kestrel passte mir wie angegossen. Ohne ein gutes Tragegefühl kann es schnell unangenehm werden. Praktisch fand ich das separat zugängliche Bodenfach, in das ich den Schlafsack aus- und einräumen konnte, ohne den gesamten Rucksack auszuräumen. Es war mein erster Wanderrucksack und somit das erste mal, das ich mit einem Tragesystem in Kontakt kam. Durch den Hüftgurt wurde das Gewicht des Rucksacks auf die Hüfte verlagert und die Schultern entlastet. Zu Beginn war es wirklich ungewohnt und ich bekam Muskelkater in der Hüfte 😀 Aber für längere Strecken (und viel Gewicht) ist es eine enorme Entlastung. Wenig nützlich fand ich den dazugehörigen Regenschutz. Der hielt nicht was er versprach und bei heftigen Regenschauern gelang das Wasser dennoch an der Seite hinen. Noch schlimmer: Es sammelte sich im Regenschutz und der Rucksackboden war getränkt. Deshalb der Tipp: den Rucksack immer mit einer Mülltüte auskleiden. So bleiben die Sachen garantiert trocken.

Schuhe Lowa Renegade GTX Mid

Nicht der Wanderer, sondern der Fuß sucht sich den Schuh aus. Und ähnlich wie beim Rucksack ist anprobieren und testen das A und O. Egal ob die Wahl auf einen leichten Wanderschuh oder einen klassischen Trekkingstiefel fällt…es muss einfach passen. Es muss einfach passen. Ich habe mich für den hohen Wanderschuh Renegade GTX Mid von Lowa entschieden. Was war mir wichtig?

  1. Es sollte ein stabiler Wanderschuh mit knöchelhohen Schaft sein. In unwegsamen Gelände wollte ich Stabilität haben. Ein Verstauchter Knöchel ist so ziemlich das letzte, was man auf dem Weg braucht.
  2. Er sollte in einem breiten Temperaturspektrum tragbar sein. Außer meinen Sandalen hatte ich kein weiteres paar Schuhe dabei. Anfang April hielt er bei niedrigen Temperaturen im einstelligen Bereich die Füße warm und in der Meseta, in der die Werte an der 30 Grad Marke kratzten, war es im Schuh – trotz dampfender Füße – auch noch akzeptabel.
  3. Eine stabile und abriebfeste Sohle. Knapp 2500 Kilometer mussten die Sohlen bewältigen. Eine Langlebigkeit ist da von hoher Bedeutung. Eine Qualität der man der Firma VIBRAM® – dem weltweit führenden Hersteller hochwertiger Gummisohlen – durchaus nachsagt. Meine Erfahrungen haben es auf dem gesamten Weg bestätigt.
  4. Wasserdichtes Außenmaterial. Mit der Gore-Tex Technologie war die Wasserdichte und Atmungsaktivität eindeutig gegeben. Nur ein einziges Mal mussten sich die Schuhe geschlagen geben, als es 6 Stunden am Stück wie Bindfäden vom Himmel regnete.

Zelt Nordisk Svalbard 1 SI

Das Nordisk Svalbard 1 SI ist einfach ein gutes Trekkingzelt. Auch wenn es draußen bei stärkerem Wind und Regen ungemütlich wurde, hatte ich nie die Befürchtung, dass es nicht robust genug sei oder ich mir um die Trockenheit im Inneren Sorgen hätte machen müssen. Außerdem war es einfach aufzubauen. Als 1,87m großer Mann fand ich die Zelthöhe von 100cm angenehm hoch, sodass ich darin auch sitzen konnte.

Schlafsack Mountain Wear Lamina 35

Eines vorweg: Ich liebe diesen Schlafsack. Was war mir wichtig?

  1. Klein und leicht. Das Packmaß wird mit 15x28cm und das Gewicht mit 1140g angegeben. Während die Maße unschlagbar war, habe ich beim Gewicht in Relation zum Preis einen guten Kompromiss gefunden.
  2. Kunstfaser statt Daune. Abgesehen von Preis bot mir Kunstfaser eindeutig mehr Vorteile, als es ein Daunenschlafsack getan hätte. Daune sollte nicht nass werden (verklumpt im feuchten Zustand) und braucht lange zu trocknen. Kunststoff ist allgemein unempfindlicher und war somit besser für den Trip geeignet.
  3. Passender Temperaturbereich. Niemand würde bei 3°C im Zelt in einem dünnen Sommerschlafsack liegen wollen. Deshalb war ein 3-Jahreszeiten-Schlafsack die sinnvollste Variante, mit einer ausgelegten Komfort-Temperatur zwischen 0°C und 5°C. Und tatsächlich hielt er in diesem Temperaturbereich angenehm warm und im Inneren war es gemütlich.

Isomatte Therm-a-rest Neoair Xlite

130€? Puh. Ganz schön viel Geld für eine Isomatte. Warum nicht eine Handelsübliche zum Zusammenrollen für 20€? Antwort: Weil sie bei kalten Temperaturen nicht ansatzweise ausreichende Isoliereigenschaften hat. Viel kann von 10mm dicken Schaumstoff nicht erwartet werden, außer, dass man nicht auf den harten Boden schläft. Die Therm-a-rest Neoair Xlite machte in den Beschreibungen einen guten Eindruck. Der R-Wert (Maßstab für die Dämmleistung) beträgt 3,2 und somit hätten die Temperaturen auch in die Minusgrade gehen können.

Leider bemerkte ich nach wenigen Tagen ein gravierendes Manko. Die Isomatte verlor nach wenigen Einsätzen – und ohne erkennbaren Schaden – im Laufe der Nacht nach und nach Luft. In der Nacht wachte ich auf und merkte, wie der Rücken den Boden berührte. Ein Blick ins Internet zeigte, dass ich mit dieser Erfahrung nicht alleine war. Als ich mich zur Rücksendung des Zeltes nach Hause entschied, wurde die Isomatte von mir gleich mit versandt.

Taschenmesser Victorinox Offiziersmesser Huntsman

Das Huntsman war mein zuverlässiger Begleiter. Mit dem Messer die Blasen aufritzen, mit der Säge den Ast für einen Wanderstab kürzen oder mit der Schere…naja…schneiden. Das hat gepasst

Erste Hilfe VAUDE First Aid Kit Hike Waterproof

Ein Erste-Hilfe-Set sollte zur Grundausrüstung gehören. Ich entschied mich für das Pack von Vaude, da es wasserdicht war. Ansonsten sollten sich die Inhalte der Hersteller ähneln.

Reisebücher Conrad Stein Verlag

2 Reisebücher hatte ich jeweils von Conrad Stein in der Tasche: Trier – Le Puy und Le Puy – St. Jean Pied de Port. Für den Camino Frances hielt ich es nicht für notwendig und habe es auch nicht vermisst. Hauptsächlich nutze ich es für die Unterkünfte, die ab den Pyrenäen ohnehin zahlreich vorhanden waren und auch die Strecke ohne Hilfe auffindbar war. Die Wegbeschreibungen fand ich weniger hilfreich, da sie recht grob waren. Außerdem orientierte ich mich neben den Wegweisern zusätzlich über meine App, in der ich die Strecke gespeichert hatte.

Kleidung

Softshelljacke Marmot Voran Jacket

Im Zwiebelprinzip lag diese Jacke als oberste Schicht. Eine solide Softshell, die ihren Zweck gut erfüllte. Wasserabweisend, atmungsaktiv und windfest. Zu beachten ist, dass es keine wärmende Jacke ist. Dafür sind die darunter liegenden Schichten zuständig.

Sandalen Teva Hurricane 3

Eine klassische Treckingsandale. Stabile Sohle und robuster Eindruck. Lange Strecken habe ich mit ihnen nicht absolviert. Sie kamen hauptsächlich im Bad und nach einem anstrengenden Tag zum Schlendern durch die Orte zum Einsatz.

Trekkinghose Fjällräven Karl Pro Trousers

Die Hose ist wirklich robust und wäre jederzeit wieder meine erste Wahl beim Griff nach einer Outdoorhose. Es war eine Hose mit „raw lengh“, d.h eine ungekürzte Länge, die meiner Beinlänge nach auf die perfekte Länge umgenäht wurde.

Fleecejacke Jack Wolfskin

Eigentlich ist diese Fleecejacke mit Polartec 200 als Teil einer 3in1-Jacke von Jack Wolfskin gedacht. Mit den drei Druckknöpfen an den Ärmeln sowie am Kraken und mittels eines Reißverschlusssystems kann sie in der dazugehörigen Softshelljacke integriert werden. Mir hat jedoch die Softshelljacke von Marmot mehr zugesagt. Ein wärmender Begleiter und als mittlere Schicht an kühlen Tagen war sie aber auch so.

Wintermütze Fjällräven – Byron Hat / No-Name

Meine erste Wahl viel auf die Fjällräven Mütze Byron. Eine wärmende Mütze aus 100% Wolle mit all ihren guten Eigenschaften. Leider auch mit ihren Schlechten. Und die machten sich bei mir durch unerträgliches Kratzen auf dem Kopf bemerkbar. Deshalb war sie für mich unbrauchbar. AM Starttag habe ich mir eine 10€-No-Name-Mütze gekauft, die ihren Zweck auch gut erfüllte.

Handschuhe Montane Prism Glove

Bei der Wahl der Handschuhe kann im Gegensatz zu anderem Inventar eher wenig falsch machen. Also habe ich auf die üblichen Sachen geachtet: leicht, gut komprimierbar und wärmend. Für Letzteres sorgt das Innenfleece. Ein manchmal nützliches Gimmick ist die Touchscreen-Kompatibilität.

1 Longsleeve Fjallräven

Überwiegend als Ausgeh- und Freizeitoutfit nach einem anstrengenden Pilgertag.

2 Paar Socken 132g Smartwool – PhD Outdoor Ultra Light Crew – Multisportsocken

Die wichtigsten Anforderungen: Atmungsaktiv, Geruchshemmend und Schnelltrocknend. Von Vorteil sind Flachnähte, die die Reibung minimieren. Im Besten Fall anatomisch vorgeformt (links, rechts Kennzeichnung) und es bilden sich keine Falten.

2 Unterhosen Icebreaker Anatomika Boxer

Das Zauberwort heißt bei der Unterwäsche mehr denn je „Merinowolle“. Es war jedes mal wieder aufs neue davon beeindruckt, wie wahrheitsgemäß das Prädikat geruchshemmend daherkommt. Nach dem Waschen einfach an der frischen Luft in kurzer Zeit wieder trocken.

2 T-Shirts 300g Patagonia – Merino 1 Silkweight

Auch hier einer der besten Tipps: Merinowolle. Teilweise zog ich ein T-Shirt 3 oder 4 Tage am Stück an. Sie nahmen kaum Geruch auf. Merinowolle ist ein recht empfindliches Produkt. Unter anderem durch anhaltende Reibung oder unsachgemäße Reinigung können schnell Löcher entstehen.

Hygiene

1 Kulturbeutel Deuter Wash Bag I

Aus einem Kulturbeutel muss man keine große Wissenschaft machen. Nützlich ist der Haken zum Anhängen und leichter Zugang zu den Utensilien.

1 Microfaserhandtuch LACD – Microfiber Towel SL – 60 x 120 cm

Schnelltrockend und leicht und unvergleichbar komprimierbar. Microfaser eben. Die passende Größe kann je nach Vorliebe gewählt werden. Ich fand 60x120cm als ausreichend und ein guter Mittelweg. Gewöhnungsbedürftig fand ich bei Microfaser besonders deshalb, weil ich von jeher das Abtrockgefühl von Frotte-Handtüchern gewöhnt war, welche ein ganz anderes ist.

Zahnbürste, Zahnpasta

Handelsübliche Zahnbürste. Auf spezielle Anfertigungen für Outdooraktivitäten (z. B. zusammenklappbar) habe ich verzichtet

Duschbad

Auch für die Körperreinigung fand das gewöhnliche DuschDas den Weg in den Kulturbeutel. Spezielle Outdoorseifen im Konzentrat (z.B. von sea to summit) sind eher im Anwendungsgebiet des Campings zu sehen.

1/2 Rolle Toilettenpapier

Aspirin, Voltarengel, Hirschtalg, Blasenpflaster

Sonstiges

Wasserflasche 1l

Zu Beginn füllte ich Leitungswasser einfach in eine leere Plastikflasche. Nach und nach schmeckte das Wasser daraus aber immer schneller etwas modrig und nicht mehr lecker. Ich entschloss mich deshalb nach ein paar Wochen zum Kauf einer Trinkflasche aus Edelstahl. Dies war zwar mit mehr Gewicht verbunden, demgegenüber stand die bessere Isolierung und länger frisch schmeckendes Wasser entgegen.

Jakobsmuschel

Hinten Am Rucksack befestigt, um schon aus der Ferne erkannt zu werden 🙂

Handy LG G4

Telefon, Fotoapparat, MP3-Player und Navigation in einem Gerät. Für die Navigation benutzte ich Locus Map pro und installierte die GPX-Tracks der Strecke von Trier bis Spanien als Kartenmaterial. Diese lassen sich mit ein bisschen Recherche im Internet finden und kostenlos herunterladen. Ich fand es gerade in Gegenden mit schlechter Beschilderung extrem hilfreich.

Zweitbrille mit Etui

Nicht benötigt, aber für den Ernstfall unerlässlich

Mülltüte

In der Beschreibung des Rucksacks bereits erwähnt, ist die Mülltüte als Auskleidung des Rucksackes ungemein praktisch und kann bei (starken) Regen die ein oder andere böse feuchte Überraschung abwenden.

Ausrüstung, die letztendlich nicht den Weg in den Rucksack geschafft haben

Canon Powershot s120

Fotos als Erinnerungen waren mir wichtig. Statt einer extra Kamera im Gepäck zu haben, entschied ich mich für das LG G4 und konnte mit dem Handy sehr gute Fotos knipsen.

Funktionsshirt Langarm Kaikkialla

Ursprünglich als unterste Schicht für kalte Tage gedacht. Beim Probetragen unter realistischen Bedingungen stelle sich die übrigen Kleidungsschichten ausreichend wärmend heraus

Funktionsunterhose lang Patagonia – Capilene 1 Silkweight Bottoms

Sinngleich zum Funktionsshirt. Jedoch ebenfalls nicht notwendig.

Handschuhe Montane Prism Glove

Die Mindesttemperatur soll im April in Nordfrankreich um die 5 °C betragen. Am Tag grundsätzlich wärmer. Handschuhe waren meines Erachtens deshalb nicht nötig und habe sie auch nicht vermisst.

Stirnlampe Black Diamond Spot

Letztendlich habe ich weder geplant vor Sonnenaufgang ( d. h. 07:00 Uhr und eher) aufzubrechen, n0ch bis zum Sonnenuntergang (d. h. 19:00 Uhr und später) zu laufen. Und mit jeden weiteren Tag verlängerte sich dieser Zeitrahmen.