Es passt nicht zu meinem Weg, bis in den frühen Vormittag hinein zu schlafen. Aber ich mache es. Es passt nicht zu meinem Weg, einen Teil zu fahren. Aber ich mache es. Es widerstrebt mir mit jeder Faser meines Körpers in dieses Taxi zu steigen. Ich kämpfe mit mir. Und es ändert nichts daran, dass es die klügere Entscheidung ist. Die Fahrt dauert eine halbe Stunde und ich fühlte mich miserabel. Verdammt, ich will laufen! Mal abgesehen von den 65€, die der Taxifahrer von mit für seine Dienste in die Hand gedrückt bekommt. In Bourbonne-les-Bains wird mir in der Touristeninformation ein weiterer Stempel in meinen allmählich voller werdenden Pilgerausweis gedrückt. Für die morgige Fahrt nach Langres empfiehlt der Mann ein Shuttle-Taxi für 3€ nach Clumont. Von dort aus käme ich mit dem Zug nach Langres. Das Taxi sammelt mich morgen Früh 07:00 Uhr vor dem Hotel ein. Indes setzt vor der Tür ein gewaltiger Regenschauer ein. Der Check-In im Hotel ist erst in 3 Stunden und ich fülle die Zeit mit Postkarten schreiben und befasse mich mit der Etappenplanung.
Als das Unwetter vorüberzog, dauert es keine 10 Minuten zu Fuß, bis ich am Hoteleingang stehe. Am Empfang nenne ich meinen Namen. Die Rezeptionist sucht ihn in ihrem Computer. Eine Reservierung auf meinen Namen gäbe es nicht. Im Handy scrolle ich durch meinen Maileingang und suche die Buchungsbestätigung: Vielen Dank, David! Ihre Reservierung ist nun bestätigt. 13.04.2016, 1 Nacht, 1 Zimmer, L’Etoile d’Or. Zur Empfangsdame gewendet frage ich: „Excusez-moi, quel est le nom de l’hôtel? „Hotel Orfeul.“ Aha, ich befinde mich im falschen Hotel. Als nächstes schießt mir der Gedanke in den Kopf, dass ich dem Shuttle-Service die falsche Adresse mitgeteilt hatte! Es ist 16:50 Uhr. Die Touristeninfo hat noch 10 Minuten geöffnet. Vielleicht ist noch nicht alles zu spät und der Fehler kann korrigiert werden.
Erleichtert nehme ich es zur Kenntnis, als der Mann sagt, dass eine nachträgliche Änderung kein Problem sei. Er würde nachher gleich beim Taxiunternehmen anrufen undBescheid geben. Mir kommt erst später in den Sinn, dass es für meine Nerven und die Bestätigung klüger gewesen, dass Telefonat abzuwarten, ehe ich gehe. Somit fehlt mir die Gewissheit, dass der Fehler tatsächlich korrigiert werden konnte. Hoffentlich gibt es morgen Früh keine Probleme.
Bourbonne-les-Bains gleicht in vielerlei Hinsicht Contrexeville. Beide Orte sind typische Kurorte, in denen eher der Urlaub verbracht wird, als einen Wohnsitz zu haben. Die Stadt lebt vom Bädertourismus. Neben dem Gesundheitstourismus hat sich in der Stadt eine umfangreiche Hotellerie angesiedelt. Vor ein paar Jahren kam ein großes Casino hinzu. Das Stadtbild macht einen modernen und gepflegten Eindruck. Neben der Therme gibt es viele Boutiquen und Restaurants. Doch in der ganzen Fülle an Geschäften finde ich einfach keinen Supermarkt. Deshalb besuche ich abends das hoteleigene Restaurant. Der Burger ist zwar sehr lecker, aber für den ohnehin schmalen Geldbeutel darf das kein Dauerzustand sein. Hoffentlich erreiche ich bald Regionen mit moderateren Preisen. Besonders gastfreundlich finde ich in französischen Restaurants die Karaffen mit Leitungswasser, die völlig selbstverständlich und ohne Aufpreis zum Essen gereicht werden.
Der wenig ereignisreiche Tag neigt sich dem Ende, ich gehe auf mein Zimmer und ruhe mich aus. Der Wecker wird auf 06:20 Uhr gestellt.
Ja, David, das mit dem Budget denke ich, werde ich wohl auch noch mal in meiner Planung überprüfen. Wie hat sich dein Anteil am Bezahlen mit Kreditkarte und Bargeld aufgeteilt? Hast du häufiger kleine Beträge an Bargeld an Bankautomaten abgehoben, oder einen größeren Betrag mit dir rumgetragen? Ist das Bezahlen mit Kreditkarte einfach und vielerorts möglich? Nun sind es bei mir nur noch zwei Monate und der Rest vom Februar. Ich bin sicher es wird dir Freude machen, den Weg mit mir dann noch einmal zu gehen. Hast du eigentlich immer, jeden Tag eine Mobilfunkverbindung gehabt? Wenn ich jeden Abend einen Bericht hochladen will, werde ich es ja nur machen können, wenn ich online bin. Weiterhin viel Spaß beim Schreiben
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Hallo Reinhold!
Grundsätzlich habe ich die Barzahlung bevorzugt. Die Kreditkarte als Zahlmethode kam im Supermarkt, Lokalen, ect. nie zum Einsatz. Ausnahmen waren Zimmerbuchungen über booking.com. Bezüglich meines Bargeldbestandes hob ich meist etwa 150€ bis 200€ am Stück ab und wenn noch etwa 50€ im Portmonnaie waren, ging es weider zur Bank.
Eine Mobilfunk bzw. Internetverbindung war eigentlich nie ein großes Problem. Allerdings habe ich für die normale Internetnutzung keine so schnelle und stabile Verbindung gebraucht, wie es beim Hochladen von Dateien nötig gewesen wäre. Ich bin gespannt, wie erfolgreich du beim Hochladen deiner Berichte sein wirst. Solange du größtenteils alleine unterwegs bist, wirst du sicher noch die Zeit finden. Wenn du aber ab le Puy oder spätestens ab SJPdP deine Mitpilger findest, ihr auch noch nach einem anstrengenden Tag gemeinsam den Abend verbringt, hat man möglicherweise keine Zeit oder Lust, sich den Abend noch an einen Bericht zu setzen. Ich hatte ab einem gewissen Zeitpunkt schon Schwierigkeiten mein Reisetagebuch up to date zu halten.
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Hallo David,
im Großen und Ganzen kann ich deine Vorgehensweise mit dem Geld und dem Bezahlen teilen. So habe ich mir das auch schon vorgestellt und werde es wohl tun. Ja, ab SJPdP wird es wohl sehr viel mehr Pilgerkontakte geben, auf die ich mich auch schon freue. Ich hoffe aber auch dann immer noch ein wenig Zeit zu finden um meinen Bericht zu schreiben. Bilder wird man sowieso jeden Tag hunderte machen. Da wir ja auch mit dem Reisemobil viel unterwegs sind, habe ich mir schon angewöhnt immer ein „Logbuch“ zu schreiben. Vielleicht ist es auch nur ein wenig Disziplin. Danke für deine Berichte und Erläuterungen
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