Tag 15: Langres – Auberive

ine angemessene Etappenlänge und regelmäßige,m über den Tag verteilte Pausenzeiten sind elementare Dinge, die jeder Pilger im Blick behalten sollte. Insbesondere die Pausenzeiten wurden von mir bisher sträflich vernachlässigt. Nach zwei Ruhetagen will ich es daher bewusst ruhiger angehen lassen. Bis Auberive sind es 29 Kilometer. Die Pension scheint sich in einem Waldgebiet, etwas außerhalb des Ortes zu befinden. Anstatt nach einer konkreten Adresse zu suchen, gibt es im Outdoorführer nur die Bezeichnung „La Thuilliere“.

Die Bandage erweist sich als große Hilfe, die nahezu schmerzfreies Laufen ermöglicht. Nach 12 Kilometern erinnere ich mich an meinen neuen Vorsatz und pausiere in Noidant-le-Rocheux. Ein paar Kilometer danach, fühlt sich meine Achillessehne stechend heiß an. An der Straßenseite setze ich mich ins Gras, ziehe den Schuh aus und begutachte meinen Fuß. Der enge Klettverschluss, der der die Bandage an der gewünschten hält, übt einen zu starken Druck auf die Achillessehne aus und scheuert die Stelle feuerrot. Zum Glück hält das Strumpfkorsett auch ohne diesen Verband, sodass er für die Funktionalität nicht benötigt wird.

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Grün in Grün

In den Nachmittagsstunden führt der Weg durch ein größeres Waldgebiet. Ein Bach rauscht neben mir und die Natur strahlt in den prachtvollsten Grüntönen. Einen überlangen, quer über den Weg liegenden Ast wird zu einem Wanderstock umfunktionieren. Mit der Säge des Schweizer Taschenmessers – ich bin sehr froh, das vergessene Taschenmesser nicht in Melchy gelassen zu haben – wird der Ast etwas bearbeitet, in eine passende Größe gebracht und von groben Unebenheiten befreit. Beim Überqueren einer schlammigen Passage zeigt mein neuer Wanderstock wenig später bereits seinen Nutzen, in dem er mir Halt bietet.

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12 Kilogramm Gepäck im Rucksack und 3 Kilogramm Schlamm am Schuh

Als der Weg in ein weiteres Waldgebiet führt und an den Bäumen mit Farbe gezeichnete Pfeile die Richtung zur Herberge zeigen, wähne ich mich fast am Ziel. Doch das ist ein Irrtum. Erst nach 1 1/2 Stunden erreiche ich das Haus. Das Ehepaar begrüßt mich mit Kuchen, Kaffee und einem Bier. Die Frau versteht einige deutsche Worte. In seiner Jugend wohnte und studierte ihr Mann in Leipzig. Wieder mal so ein unglaublicher Zufall. Deshalb versteht er jedes gesprochene Wort. Wie sollte es anders sein, als wenn ich heute wieder nicht einzige Pilger wäre. Letzte Nacht schliefen Magdalena aus Bremen und der junge Mann aus Langres in dieser Unterkunft. Beide sind mir immer eine Tagesetappe voraus. Ob ich Ihnen einmal begegnen werde?

Das Abendbrot wird gemeinsam eingenommen. Zu den selbstgemachten Pommes frites werden Wurst und Tomaten aufgetischt. Der Tag war sehr kräfteraubend und deshalb gehe ich schon früh am Abend schlafen.

Ein Kommentar zu „Tag 15: Langres – Auberive

  1. Als wir 2013 auf dem Stück durch Frankreich gegangen sind, habe wir auch diese wunderbare Herberge bei den Beiden genossen. Es gab sogar für uns die Tagesschau. Schön das die Beiden noch so wohl auf sind und die Unterkunft so gut angenommen wird

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