Tag 32: Montbrison – La-Chapelle-en-Lafaye

07:30 Uhr steht das Frühstück auf dem Tisch. Das Ehepaar muss zeitnah das Haus verlassen und ich hatte es so verstanden, dass ich mir trotzdem etwas Zeit lassen und den Schlüssel in den Briefkasten werfen können. Aber da hatte ich etwas falsch verstanden. Also beeile ich mich mit Packen und stehe eine Stunde später auf den Straßen Montbrisons. Der Tabakladen verkauft keine Postkarten, die Post öffnet erst 09:00 Uhr und die Touristen-Info nochmal eine halbe Stunde später. Ich setze mich auf einen Mauervorsprung, logge mich ins WiFi ein und versuche bis zur Öffnung vergeblich selber die Unterkunft für Morgen zu organisieren. Die nächste Ernüchterung folgt, als die Touristen-Information ihre Türen öffnet. Weder gibt es Postkarten zu kaufen, noch erreicht die Dame hinter der Theke jemanden in der Unterkunft. Mit einem beiläufigen „Au Revoir“ werde ich stehen gelassen. Eine Stunde warten hätte ich mir schenken können. 10:15 Uhr verlasse ich ohne Erfolg die Stadt. Bis nach La-Chapelle-en-Lafaye sind es nur 22 Kilometer.

Über Feldwege gelange ich nach Saint-Georges-Haut-ville. Es ist Mittagszeit und meine Wasserflasche bis zum letzten Tropfen geleert. Vor einem Haus bepflanzt eine Frau ein Blumenbeet. Ich bitte um frisches Wasser und bekomme das Zeichen, ihr ins Haus zu folgen. In der Küche bereitet eine andere Frau das Mittagessen zu. Es duftet nach frischen Zutaten. Die Frauen sprechen kurz miteinander und laden mich auf ein gemeinsames Mittagessen mit Salat, Nudeln und – wie passend – Jakobsmuscheln ein. Natürlich darf die typische Käseplatte nicht fehlen. Eine Stunde verbringe ich in der sympathischen Gesellschaft, bevor ich meinen Rucksack schultere. Das übrige Baguette, Fleisch und Käse wird mir als Proviant eingepackt. Dieses hohe Maß an Offenherzigkeit und Freundlichkeit gegenüber fremden Menschen beeindruckt mich tief

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Unverhofftes Mittagsmahl

Als wir zu Tisch saßen, sah ich durch das Fenster zwei Menschen, die am Haus vorbeigingen. Ob es sich bei ihnen um Pilger handelt? Vielleicht kann ich sie mit schnellen Schritten wieder einholen. Tatsächlich finde ich sie nur wenige hundert Meter weiter entfernt rasten. Das Paar aus Köln läuft den Jakobsweg seit 2006 in Etappen. In diesem Jahr sind es 11 Tage, die sie auf dem Weg verbringen. Auch diese Bekanntschaft währt nur ein paar Stunden an, da wir unterschiedliche Wege einschlagen. In Soleymieux verdeutlicht ein Wegweiser die Entfernungen zu verschiedenen Orten der Welt. Sollte ich mich an dieser Stelle spontan dazu entscheiden nach Rom zu pilgern, wären es nur noch 792 Kilometer bis zum Ziel. Bis nach Kalkutta sind es übrigens 7810 Kilometer.

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Wo genau liegt Ushuai?

Die flache Ebenen gehören vorerst der Vergangenheit hat. Während Montbrison auf 400 Höhenmetern liegt, komme ich am Ende des Tages auf bis zu 1140 Meter hoch und bin endültig im Zentralmassiv der Auvergne.

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Kurz vor 17:00 Uhr erreiche ich La-Chapelle-en-Lafay.

Ein Kommentar zu „Tag 32: Montbrison – La-Chapelle-en-Lafaye

  1. Die Franzosen sind wirklich sehr freundlich und großzügig zu den Pilgern. Ich fühlte mich jederzeit wohl und willkommen. Sie unterhielten sich auch immer sehr geduldig mit mir, obwohl mein Schulfranzösisch wirklich alles andere als gut ist. Liebe Grüße, Dario 🙂

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