Tag 33: La-Chapelle-en-Lafaye – Saint-Georges-Lagricole

Nachts um drei Uhr halten mich Rückenschmerzen vom weiteren Schlafen ab. Im Zimmer stehen mehrere Doppelbetten und ich tausche das Bett gegen eines mit einer dickeren Matratze und bei dem das Lattenrost nicht so spürbar durch die Matte drückt. Am Morgen geht es kurz nach halb neun ohne Frühstück Richtung Saint-Georges-Lagricole. Die Wolken verdichten sich schnell und es scheint bald zu regnen. Vorsorglich wechsel ich dünne Wanderhose gehen die robustere von Fjällraven. Das Wetter wechselt ständig zwischen feinen Sprühregen und Sonnenschein. Auf dem sandigen Untergrund entdecke ich mehrere Schuhabdrücke, die zweifelsohne Wanderschuhen zugeordnet werden können. Ich bin nicht allein! In Montarcher finde ich keinen Einkaufsladen und muss noch weitere 13 Kilometer auf mein Frühstück in Usson-en-Forez warten.

Mir sind in Frankreich schon einige Straßenschilder und Warnhinweise vor die Augen gekommen. Ich erinnere mich an ein Warnhinweis im Wald, welches auf eine Wildjagd aufmerksam machte und vor fliegenden Pfeilen warnte. Bisher unbekannt ist mir auch das Straßenschild „Achtung Schneckenwanderung“. Beim genaueren Hinsehen entpuppt sich das Schild, welches auf Holz gemalt wurde, als Scherz.

Am Nachmittag komme ich im nächsten kleinen Dorf an. In Saint-Georges-Lagricol sticht das große Gebäude der Gite Du Bon Accueil förmlich ins Auge. Ein graues – ich schätze in den 80er Jahren errichtetes – Gebäude mit einer kleinen Rasenfläche und Geräteschuppen im Innenbereich. Beim Hühnerstall hinter der Steinmauer soll irgendwo der Schlüssel  für die Tür liegen. Die Dame versuchte es mir gestern am Telefon so genau wie möglich zu erklären. Blumen…Beet…Mauer…Ich verstand nur einzelne Satzfetzen. Zwei geschlagene Stunden suche ich das gesamte Anwesen nach dem Schlüssel ab, gehe das Mauerwerk unzählige Male auf und ab, schaue hinter jedem noch so verdorrten Unkraut. Alles vergebene Mühe. Also setze ich mich auf die Treppenstufen und warte.

18:00 Uhr schaut die Madame mit einem anderem Pilger im Schlepptau durch das Tor und winkt mich zu sich. Nein, im großen Gebäude würden wird nicht schlafen. Aber neben der „grand Gite“ für 60 Personen gibt es auf der gegenüberliegenden Straßenseite noch eine „petit Gite“, in der bis zu 14 Personen Platz finden. Davor gab es ein Blumenbeet. Und einen Schlüssel. Wenig überraschend gab es vor der Tür ein Blumenbeet. Die Zimmer sind im Stile einer einfach Jugendherberge eingerichtet: schlicht, aber funktional. Der andere Pilger hört auf den Namen Hendrik und kommt aus den Niederlanden. Er ist ein netter Zeitgenosse und hat ebenfalls schon eine längere Strecke hinter sich gelassen.

In Schlagdistanz zur Gite gibt es einen Friseur. Die Preisliste an der Hausfassade zeigt auch die Bartrasur als Angebot. Ich erinnere mich an Monikas Worte und werde Morgen Früh vorstellig. Nach über einem Monat ohne Rasur könnte man meinen, ein Bär habe sich auf mein Gesicht gesetzt.

Ein Kommentar zu „Tag 33: La-Chapelle-en-Lafaye – Saint-Georges-Lagricole

  1. Das Straßenschild mit den Schnecken ist wirklich lustig. Ich erinnere mich gut an den Aufstieg zum Berg Montarcher, unweit von Usson-en-Forez. 🏞️ Der Berg hat mich sehr beeindruckt und die Kapelle auf dem Gipfel ist ein echtes Schmuckstück. Liebe Grüße, Dario 🙂

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