Tag 37: St. Privat d’Allier – Saugues

Nach dem gemeinsamen Frühstück verlassen wir 09:00 Uhr die Unterkunft. Marie hat sich für diesen Tag am Vorabend mit einer anderen Pilgerin und wartet auf sie vor der Herberge. Zu dritt begeben wir uns auf den Weg nach Saugues. Direkt hinter Monistrol d’Allier beginnt der kräfteraubende Aufstieg aus dem Tal. Mit meinen langen Beinen bin ich um einiges flotter unterwegs und enteile den beiden Mädels. Ein steiler und mit Kurven gespickter Aufstieg, der sich auf unbefestigtem Weg an imposanten Granitfelsen entlang zieht. Nach jeder weiteren Schleife hoffe ich auf ein Ende der Strapazen, nur um jedes mal auf ein Neues enttäuscht zu werden. Der Schweiß läuft mir von der Stirn. Der Blick hinunter in das Tal nach Monistrol d’Allier ist ein entschädigender Genuss für die Anstrengung.

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Auf der Höhe angekommen tue ich es den anderen Pilgern gleich und ruhe mich am Waldrand im Schatten eines Baumes aus. Die Füße scheinen in den Schuhen zu kochen und ich verschaffe ihnen etwas frische Luft. Es ist erstaunlich, wieviel Energie der Körper in 30 Minuten wieder auftanken kann. Hinter dem Waldstück wird das bisherige Landschaftsbild von einer ausgehdehnten Weidefläche abgelöst.

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Saugues zählt 1700 Einwohner und besitzt trotz der geringen Bevölkerungszahl eine sehr gute Infrastruktur, mit allem, was das Pilgerherz erfreut: eine Post, verschiedene Restaurants, einen Bäcker, eine Apotheke, ein Tabakladen und Supermarkt. In der Gite d’Etape Communal finde ich zunächst keinen Ansprechpartner. Eine Pilgerin meint daraufhin, ich solle an den Zimmertüren nach meinem Namen suchen. Doch er ist ebenso wenig gelistet, wie der von Maria. Eine andere Pilgerin versucht die Situation für mich telefonisch zu klären. Ich hatte noch nicht im Voraus für das Bett bezahlt, was offenbar zwingend notwendig für eine Reservierung war. Ich soll beide Namen an die Türen mit noch freien Betten schreiben. In der Apotheke kaufe ich mir Oropax und im Supermarkt eine Dose „Premium Ravioli“, die am Abend gar nicht so Premium schmeckt. Dementsprechend kurz verweile ich in der Gemeinschaftsküche, nehme die Treppe zu meinem 3-Bett-Zimmer, wo mich Paul begrüßt. Ein älterer Herr aus der Schweiz, dem offensichtlich körperliche Beschwerden plagen. Ich kann mir leider kaum vorstellen, dass er noch sonderlich lange laufen kann. In der Nacht stellt Paul die Oropax auf eine große Belastungsprobe. Leider taugen die nicht sonderlich viel. Da muss ich wohl mehr als 2,50€ für zwei Paar ausgeben.

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Mein Resumee nach den ersten beiden Tagen auf der via Podiensis: Erwartungsgemäß, sind im Vergleich zum bisherigen Abschnitt mehr Pilger unterwegs. Von einem vollen oder gar überfüllten Weg kann aber noch lange keine Rede sein. Und ich bin überrascht, dass die Herbergen noch überwiegend mit eher kleineren Zimmern für 3 bis 5 Personen ausgestattet sind. Die großen und vollen Schläfsäle stehen mir wohl noch bevor. Ich bin sehr froh, dass ich gleich zu Beginn Menschen kennengelernt habe, mit denen ich mich gut verstehe und dieses gemeinsame „Camino-Feeling“ erstmals gemeinsam erleben kann.

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3 Kommentare zu „Tag 37: St. Privat d’Allier – Saugues

  1. Hallo David, ich erinnere mich gut an diese Etappe, der kleine Ort Monistol d’Allier mit der Brücke von Herrn Eiffel und später die Bergkapelle beim Aufstieg waren sehr schön. Die Esel waren auch noch da. Ich bin gespannt, wie es bei dir weiterging. Liebe Grüße, Dario 🙂

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