Die Verabschiedung von Emanuel, Rafael und Elisabeth endet mit ihren Einladungen, sie einmal mit meiner Frau und dem Sohn in Paris zu besuchen. Maria erholte sich über Nacht und setzt deshalb ihren Weg fort, worüber ich mich sehr freue.
Es ist Freitag und Markttag in Espalion. Die Menschen schlendern durch die engen Gassen, laufen von Stand zu Stand und füllen ihre Einkaufstaschen. Die Strecke führt Lotabwärts Richtung Estaing. Die ersten Kilometer laufe ich weitestgehend ohne Pilgerbegegnungen. Seit ein paar Tagen habe ich generell den Eindruck, dass sich weniger Pilger auf dem Weg befinden. Das Wetter ist miserabel und meine Laune passt sich diesem an. Der Regen nervt. Die ständig beschlagene Brille nervt. Manche Abschnitte verlaufen auf sehr matschigen Untergrund. Bei dem kurzen, aber steilen Anstieg habe ich Mühe, den Halt nicht zu verlieren und auszurutschen.

Die Burg von Estaing ist schon aus der Entfernung zu sehen und überragt alle anderen Gebäude des Ortes. Das Dorf befindet sich auf der gegenüberliegenden Seite des Lot und liegt nicht unmittelbar am Weg. Ich überquere die alte Brücke und wechsel für einen kleinen Abstecher die Uferseite. Bei einer heißen Tasse Schokolade vor einem Café wird eine kurze Rast eingelegt, ehe es weiter in Richtung Golinhac geht.

Nass vom Schweiß und Regenwasser komme ich am Nachmittag in der Gite an. Das Pilgerhaus steht auf einem Campingplatz. Im Erdgeschoss gibt es eine Küche und einen Tisch im großen Gemeinschaftsraum. In der ersten Etage befinden sich die Mehrbettzimmer. Das eigentliche Highlight sind die Waschräume auf dem Campingplatz. Somit bleibt einem die mühselige Handwäsche erspart, um die Kleidung einigermaßen sauber zu bekommen. Das erste Mal seit 1 1/2 Monaten finden meine Sachen den Weg in eine Waschmaschine. Besonders das Handtuch hat dringend eine gründliche Reinigung nötig. Einfach sagenhaft, wie frisch die Textilien nun wieder duften. Im Haus steht ein Wäscheständer auf dem die Kleidung über Nacht zum Trocknen aufgehängt werden kann. Um auf Nummer sicher zu gehen, wird Wäscheständer vor dem Kamin geschoben. In einem kleinen Gemischtwarenladen besorge ich mir Nudeln für das Abendbrot. Beim Essen und einem Glas (oder zwei) Wein verbringen allesamt den Abend am großen Tisch.

Hi David, ich habe damals ca. 2 Kilometer vor Golinhac übernachtet. Ich hatte den Eindruck, dass die meisten Pilger ab Le Puy nur ca. 1 – 2 Wochen gelaufen sind und ihre Pilgerschaft spätestens in Conques oder Figeac beendet haben. Liebe Grüße
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