Tag 49: Varaire – Cahors

Es ist erst der zweite Tag, an dem eine Strecke von über 30 Kilometer vor mir liegt. Nur sehr wenig andere Pilger sind mit mir unterwegs und die meiste Zeit verbringe ich alleine. Der Pilgerstrom nahm seit Conques auffallend deutlich ab. Nach 2/3 der Strecke bietet sich eine Picknickbank für die erste Pause an. Sie wäre nicht zwingend nötig gewesen, aber im Grünen lässt es sich angenehmer die Zeit verbringen als vor einer noch geschlossenen Gite. Aufgrund der warmen Temperatur zerfließt der Camembert im Rucksack. Nicht unbedingt zum Nachteil. Nun besitzt er die perfekte Konsistenz, um ihn auf die Reiswaffeln zu streichen. Moment, wo sind die Reiswaffeln? Vermutlich in irgendeiner Gite der letzten Tagen. Die Füße scheinen in den Schuhen zu kochen. Beim Ausziehen fehlt nur noch ein Dampf ablassendes Geräusch. Mit einer frischen Brise zwischen den Zehen und den Kopfhörern in den Ohren schlafe ich auf der Bank ein. Nur widerwillig nehme ich anschließend meine Habseligkeiten, um die letzten Kilometer hinter mich zu bringen. Einen letzten Hügel erklommen, blicke ich auf die Stadt hinunter.

Cahors

Die Gite befindet sich etwas außerhalb des Zentrums. Vincent lief in den letzten Tagen eine andere Strecke und ich sehe ihn heute das erste Mal seit Conques. Für die Stadtbesichtigung überquere ich die Brücke über den Lot, werde Zeuge einer kleinen Demonstration des Gewerkschaftsbundes CGT, die ihre Botschaft auf weiße Laken schrieben und sie in die Luft halten: „Nuit debout Cahors convergence de Luttes“, „Nuit debout Cahors Place au peuple“. Ich kann es für mich nicht übersetzen.

Es folgt das übliche Procedere: durch die Stadt schlendern, die Kirche besuchen, Postkarten schreiben und Abendessen kaufen. In der Markthalle herrscht reges Treiben und die Händler bieten allerlei Köstlichkeiten an. An Nudeln habe ich mich satt gesehen und satt gegessen. Heute kommt Bratwurst, Sauerkraut und Kartoffelpüree auf den Tisch und ich bin gespannt, ob ich in den Regalen fündig werde. Neben Bratwurst in seiner bekannten Farbe, gibt es sie auch in einer schwarzen Variante zu kaufen. Sie sieht um einiges unappetitlicher aus. Die verschiedenen Dosen Sauerkraut liegen preislich zwischen 2€ und 4€ und sind mir dadurch eindeutig zu teuer. Am Ende finden wieder die Spagetti ihren Weg in den Einkaufskorb.

Heute war Vincent´s letzter Tag auf dem Camino. Morgen wird er mit dem Zug zurück nach Paris fahren. Es ist immer ein ungewöhnliches Gefühl, einen bekannten Pilger zu verabschieden. An unserem letzten Abend stoßen wir mit einer Flasche Rotwein an.

Ein Kommentar zu „Tag 49: Varaire – Cahors

  1. Hallo David, bei mir war es auch so, nach Conques gab es weniger Pilger. Ich habe gehört, dass für viele Franzosen dieser Teil der Via Podiensis am attraktivsten ist und sie auch kein Bedürfnis haben, den Weg weiter bis Saint-Jean-Pied-de-Port oder darüber hinaus zu gehen. Und Abschiede hatte ich auch viele, es ist nicht immer einfach, sich zu verabschieden, zumal es häufig klar ist, dass wir uns vermutlich nie wieder sehen werden. Schön geschrieben 🙂 Liebe Grüße und einen angenehmen Abend, Dario 🌝

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