Tag 50: Cahors – Montcuq

Am Morgen beschwert sich eine Pilgerin über das lautstarke Schnarchen von Theo und dass „man“ – in diesem Fall Theo – sich im Bewusstsein seines eigenen Schnarchens ruhig ein Einzelzimmer hätte nehmen können. Ein Gedanke fernab jeglicher Camino-Realität. Sicherlich ist es nervig und kann einem den Schlaf rauben. Doch dann gilt es, für sich selber eine Lösung zu finden. Mir helfen in der Regel meine Kopfhörer und Musik, um gut einzuschlafen und nahezu alle Umgebungsgeräusche auszublenden. Ich sage „Tschüss“ zu Vincent, der seine Heimreise antritt und „Hallo“ zu den bevorstehenden 29 Kilometern nach Montcuq. Oder wie ich sage: „Mongkuck“. Wieviele von den ganzen Ortsnamen spreche ich wohl falsch aus? Die Tendenz geht zu „so gut wie Alle“.

Im Nieselregen geht es in süd-westliche Richtung raus aus der Stadt und über die Pont Valentre auf die andere Seite der Lot. Die Brücke ist ein imposantes mittelalterliches Bauwerk. Einst diente sie der Stadt als Schutzwall, die mit ihren 40 Meter hohen Wachtürmen zu jener Zeit nur schwer zu überwinden war.

Der Teufel und der Schlussstein

Einer Legende nach soll der vom langsamen Baufortschritt entnervte Baumeister die Heiligen um Unterstützung gebeten haben. Doch die himmlischen Kräfte verweigerten ihm jedwede Hilfe und vergrößerten so die Not des Baumeisters. Um seinem Dilemma zu entkommen, ging er einen Pakt mit dem Teufel ein und versprach ihm seine Seele. Als Gegenleistung sollte der Teufel den Brückenbau erfolgreich zu Ende bringen. Erfreut über das Geschäft legte sich der Teufel ins Zeug und ließ die Brücke in einem Höllentempo wachsen. Bald aber bereute der Baumeister seinen Pakt und suchte nach einem Ausweg aus dem Schlamassel. Um dem Fegefeuer zu entrinnen, forderte der Meister den Teufel schließlich auf, mit einem Sieb Wasser für den Mörtel zu besorgen, um den Schlussstein zu befestigen. Durch diese List konnte der Teufel seinen Teil des Vertrags nicht mehr erfüllen und sah sich um die Seele des Baumeisters Seele betrogen. Als Rache erschien er jede Nacht und brach den Schlussstein aus dem mittleren Turm heraus, sodass die Maurer diesen am nächsten Tag immer wieder ersetzen mussten.

Noch heute können wir den Schlussstein des Teufels sehen. Der Architekt Paul Gout bereitete den teuflischen Lockerungen 1879 ein jähes Ende, indem er einen behauenen Stein in die Lücke einsetzte. Dieser zeigt einen kleinen Dämon, der versucht, den Stein aus dem Gemäuer herauszureißen. Doch er bleibt mit seinen Klauen im Zement stecken.

(Text und Bild: https://www.freudenthal.biz/midi-pyrenees/cahors/)

Auf der anderen Flussseite führt eine in Stein geschlagene Treppe und ein loser Weg weiter nach oben und treibt mir die Schweißperlen auf die Stirn. Ich möchte mal wieder besonders schlau sein und eine kleine Abkürzung gehen. Diese Idee führt dazu, dass ich vollends vom Weg abkomme.Über mehrere Kilometer sehe ich keine Wegzeichen und laufe vermutlich eine längere Strecke, als die ursprüngliche Route vorsah. Irgendwann sehe ich wieder Markierungen und auch Theo, der vor einer Kirche pausiert. Ich fülle mein Wasser auf und werde mich ab jetzt immer an die Markierungen halten.

Etwas später am Tag begegne ich Regina. Weitestgehend bewegungslos sitzt sie in der Mitte des Weges und blickt auf das nebenliegende Feld. Als ich auf ihrer Höhe ankomme packt sie ihre Sachen und läuft mir nebenher. Sie kommt aus den Niederlanden und ist seit Masstrich unterwegs. Spannend finde ich, dass wir mit Bruno und Hank zwei gleiche Bekanntschaften gemacht haben. Wenn ich an Bruno denke, so frage ich mich, wie es ihm wohl geht und wo er gerade steckt. Vor 3 Wochen habe ich ihn das letzte Mal sah. Das Gespräch mit Regina ist zwar kurzweilig, strengt aber auch an, da sie sehr schnell spricht und es nicht immer einfach ist, ihren englischen Wortschwall inhaltlich zu folgen. In Montcuq lerne ich am Abend Roland kennen. Obwohl er häufig in Unterkünften übernachtet, trägt er in seinem Rucksack eine vollständige Campingausrüstung mit sich. 18 Kilogramm auf dem Rücken sind schon eine ordentliche Hausnummer.

6 Kommentare zu „Tag 50: Cahors – Montcuq

  1. Hallo David, im Schlafsaal macht immer jemand störende Geräusche, da müsste fast jede(r) ein separates Zimmer nehmen 😉 In Montcuq war damals Markttag, als ich dort war, was ich beeindruckend fand. Ein französischer Pilger erzählte mir launig, dass man bei der Aussprache des Ortes aufpassen muss, weil aus dem „Q“ am Ende von Montcuq schnell ein „L“ werden kann, was zu unerwünschten Verwechslungen führen könnte. Ich freue mich schon auf die Fortsetzung. Liebe Grüße und einen schönen Sonntag, Dario

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    1. Hallo Dario,

      danke für deien Kommentar. Und auch, wenn es mit den Berichte nicht so schnell vorangeht, wie ich es mir selber gerne Wünsche, verspreche ich, dass es weitergeht!

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      1. Hi David, mir geht es ähnlich, ich musste aktuell noch eine „Lücke“ von 2016 schließen (Basel – Cluny). Ich denke, am wichtigsten ist, dass wir – wie beim Pilgern – Spaß am Schreiben haben, egal wie lange es dauert. Mit lieben Pilgergrüßen und noch einen angenehmen Sonntag, Dario

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