Tag 52: Lauzerte – Moissac 

Gestern Abend ging es spät ins Bett. Im Internet hörte ich mir das Pokalfinale zwischen Dortmund und Bayern an. Da der Sieger er im Elfmeterschießen ermittelt wurde, kam ich erst 23 Uhr zum Schlafen. Das Ergebnis folgt am nächsten Morgen. Ich fühle mich nicht sonderlich gut ausgeruht. Als einer der letzten Pilger verabschiede ich mich von der Herbergsmutter Corinne. Gestern Abend machte die Nachricht die Runde, dass die Wetterbedingungen eher widrig sein würden. Doch noch hatte ich von den Ausmaßen noch Keinen Schimmer. Eine erste Vorahnung begann nach 15 Minuten. Nur ein leichter und kurzer Regenschauer. Der Himmel über mir bleibt jedoch in tiefdunkler Farbe eingetaucht, sodass ich mich darauf gefasst mache jeden Moment wieder die regenfeste Kleidung überzustreifen. Als der Regen wie Bindfäden aus den Wolken strömt, bringt er obendrein ein Gewitter mit. Auf dem offenen Feld bin ich mich dem Unwetter schutzlos ausgeliefert. Eine am Wegrand stehende Snackbar mit einer Holzüberdachung bietet schon etlichen anderen Pilgern ein schützendes Dach über dem Kopf. Die Wagemutigsten verharren nur fünf Minuten in unserem Unterschlupf, ehe sie unter Donnergrollen in die Nässe verschwinden. Mir ist das zu heikel und bei einem warmen Kakao versuche ich die Situation auszusitzen. Nachdem sich das Gewitter verzogen hat und auch der Regen schwächer wird, setze ich meinen Weg fort. Aber das Wetter sollte bis zum Ende des Tage das allein herrschende Thema bleiben. Ich überdenke meine Aussage von heute Morgen, als ich in einem Anflug von Naivität meinte, Regen könne mir nichts anhaben, solange es nicht gewittert“. Nach vier Stunden unablässiger Nässe bleibt von dieser Meinung so viel übrig, wie trockene Stellen an meinem Körper. In meinem rechten Schuh sammelt sich das Wasser. Die Hose ist komplett getränkt. Zur Mittagsstunde hat auch der linke Schuh seine wasserdichte Eigenschaft aufgegeben. Als käme ich direkt aus der Waschmaschine.Dann einen Moment der Hoffnung. Für eine kurze Zeit stellt sich der Regen ein. Leider nur, um sich Unterstützung vom Wind zu holen, der mich mit seiner ganzen Kraft von der rechten Seite bearbeitet. Gegen Ende der Strecke treffe ich Fabien und ich erkenne, dass ich nicht der Einzige bin, der derart abgekämpft aussieht und dem die Folgen des Wetters zu schaffen machen.

In Moissac bietet uns ein Haltestellenhäuschen Schutz und befreie mich von der Last des Rucksacks. Dann ein besorgniserregender Blick. Im Laufe der Stunden gelang das Wasser seitlich in die Regenhülle, sodass sich darin Wasser sammelte.Der Bodenteil des Rucksacks ist mitsamt dem Schlafsack durchnässt. Es ist die Strafe meiner Faulheit, den Schlafsack separat im unteren Schubfach verstaut, anstatt ihn zusammen mit den anderen Sachen in einem zusätzlichen Müllsack geschützt zu haben. Ich fand es immer so nervig, immer den gesamten Rucksack auszuräumen, um an den Schlafsack zu gelangen.

Bis zu Öffnung muss eine halbe Stunde vor der Gite ausgeharrt werden. Auf dem Zimmer schäle ich mich Schicht für Schicht aus den nassen Klamotten heraus und stelle mich unter die heiße Duschwasser. Die Kleidung wird händisch gereinigt und aufgehangen. Hoffentlich hilft das mehrmalige Wechseln des Zeitungspapiers in den Schuhen, damit sie Morgen wieder trocken sind.

Das Wetter am Nachmittag ist weiterhin trostlos. Meine Laune schließt sich ihm an. Ich habe in der Gite kein Abendbrot bestellt, was an einem Sonntag ziemlich dämlich ist. Zum Glück haben die Pizzerien geöffnet. Bei einer Calzone und in Gesellschaft von Fabien wird der Hunger gestillt. Wir unterhalten uns über den Tag. Wobei sich dabei kein Gespräch im eigentlichen Sinn vorgestellt werden darf. Dafür ist Fabien dem Englischen zu wenig mächtig und mein Französisch zu limitiert. Es sind eher wechselseitige Andeutungen, Gestikulierende Handbewegungen und die Imitation von Regen und Kälte. Insbesondere nach solchen Tagen hilft es, nicht alleine zu sein und Leidensgenossen zu haben, mit denen gemeinsam solche Momente durchgestanden werden können. Wann immer wir uns fortan begegnen werden, fällt zwischen uns nur ein einziges Wort als Synonym für die heutigen Umstände ein: Moissac.

Ein Kommentar zu „Tag 52: Lauzerte – Moissac 

  1. Hi David, Lauzerte wird mir immer für die besondere „Ecke“ auf dem Hauptmarkt in Erinnerung bleiben. Schade, dass du mit nassen Klamotten vor der verschlossenen Gite warten musstest, aber Glück gehabt mit dem Schlafsack. „Moissack“ war wirklich ein passendes Motto des regnerischen Tages. Liebe Grüße dir, Dario

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