Tag 53: Moissac – Saint-Antoine

Das Frühstück steht 07:00 Uhr auf dem Tisch. Danach drängt die Herbergsmutter rasch auf ein Verlassen der Gite. Für ein entspanntes Rucksack packen ist da keine Zeit. Die meisten Kleidungsstücke sind über Nacht getrocknet. Ebenso die Schuhe, in denen das Zeitungspapier ganze Arbeit leistete und die Feuchtigkeit vollständig entzog. Die Socken und die Unterhose sind noch feucht. Sie werden mit einer Schnur am Rucksack befestigt und trocknen bei hoffentlich ausreichendem Sonnenschein.

Die ersten Kilometer nach Saint-Antoine erscheinen mir wie ein Déjà-vu meines ersten Tages.mich sehr stark an meinem ersten Pilgertag. Genau wie damals laufe ich etliche Kilometer neben einem Fluss entlang. Damals war es die Mosel. Heute ist es die Garonne. Das Wetter ist sehr wechselhaft und wenn ich mich gerade mal über ein paar Sonnenstrahlen freue, so schiebt sich doch im nächsten Moment wieder eine Wolke davor. Der Fluss weiter auf meiner rechten Seite, kommt mir ein streunender Hund zugelaufen, bleibt kurz vor mir stehen, um sogleich wieder das Weite zu suchen. Ein paar Kilometer später folgt das gleiche Spiel. Irgendwann bleibt er an meiner Seine und folgt mir über eine Stunde. Er läuft ein Stück voraus, bleibt stehen und wartet auf mich. Ich frage an mehreren Häusern, ob sie den Hund kennen oder wüssten, zu wem er gehört. Er trägt kein Halsband und von seiner gewohnten Umgebung dürfte er sich schon ein ganzes Stück entfernt haben. Ein Mann kommt mir mit Frau und Kindern entgegen. Sie wissen genauso wenig über den Hund. Indessen scheint der Hund das Mädchen interessanter zu finden. Er beachtet mich nicht weiter und läuft mit seiner neuen Bekanntschaft wieder in die entgegengesetzte Richtung läuft.

Saint-Antoine ist ein sehr kleinen Ort, in dem gerade einmal 204 Menschen wohnen und an dessen Ende sich die Gite D’Etape „Loustal“ befindet. Ich trete durch das Tor. Im Hof unterhält sich Etienne mit der Herbergsmutter. Maria und Philippe schliefen gestern hier. Beide sind also weiterhin eine Tagesetappe vor uns. Im Zimmer lerne ich den Niederländer Walter kennen. Ein kräftiger Bursche in meinem Alter. Er legt die Strecke von seiner Heimatstadt bis Santiago mit dem Fahrrad zurück. Danach möchte er die gleiche Strecke wieder nach Hause fahren. Insgesamt ist das eine Distanz von 6000 Kilometern. Momentan wird er durch sein defektes Zweirad sinnbildlich ausgebremst. Morgen muss er nach Moissac fahren, um sich Ersatzteile zu beschaffen.

Antoine Le Grand – der Schutzpaton der Gemeinde

Das Abendbrot wird im nahegelegenen Restaurant „La Coquille“ eingenommen. Selbstverständlich gibt es in einem Lokal namens „Die Muschel“ auch ein Pilgermenu. Die Gastronomie lebt – ebenso wie die Post und eine zweite Unterkunft im Ort – wahrscheinlich fast ausschließlich von den Pilgern. Die nächste Einkaufsmöglichkeit bietet Miradoux in acht Kilometer Entfernung. Das Beisammensein mit den anderen Pilgern ist ein schönes Erlebnis, Speis und Trank schmecken vorzüglich und gesättigt verschwinde ich auf mein Zimmer.

2 Kommentare zu „Tag 53: Moissac – Saint-Antoine

    1. Danke, das freut mich immer wieder. Zur Auffrischung deiner Erinnerungen kannst du dir zusätzlich gerne meine DIa-Show anschauen, die ich neuerdings eingebettet habe,

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